Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 28)
- Language
- German
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26 - Gerhard Scholem sehauung auch aus dem umfangreichsten kabbalistischen Sammelwerk des 13. Jahrhunderts, dem Sohar zu belegen ist. In der Tat liefert die Soharkritik eine große Zahl weiterer starker Beweisgründe für sie, wenn auch der Sohar nicht etwa, wie er ist, dem einen oder anderen Stadium der Entwicklung der Kabbala zugeteilt werden kann. Es sind darin Stücke und Vorstellungen nachweisbar, die entschieden dem ersten Stadium und dem Orient entstammen. Ja, auch physiognomische und chiromantische Traditionen aus der Merkaba-Mystik, die sich sonst nirgends erhalten haben und mit Sicherheit nach Babylonien führen, haben sich hier noch in geschlossenen Traktaten erhalten, ohne daß die kabbalistische Entwicklung, die sie aus dem Erbe der alten Mystik übernommen hat, sie wesentlich verändert hätte. Andere geschlossene Teile wiederum stehen unter tiefem scholastischen Einfluß. Für sehr große Teile wird man sagen dürfen, daß in ihnen das Hineinwachsen der Kabbala aus der Welt der Gnosis in die des Neuplatonismus erst insoweit gerade begonnen hat, als zwar dessen Sprache eingedrungen ist, aber abgetrennt von seinem Ideengehalt, also gleichsam schemenhaft, ja oft mit ganz anderem Ideengehalt erfüllt. Alles was hier über die Interesselosigkeit der alten Kabbala an systematisch-philosophischer Orientierung gesagt war, darf mit besonderem Nachdruck vom Hauptteil des Sohar behauptet werden, dessen Redaktion man zwar ins Abendland zwischen 1200 und 1250 wird verlegen müssen, bei der aber ältere kabbalistische Midraschim orientalischer Herkunft schon vorgelegen haben, die auch sein künstliches und doch in sich geschlossenes Aramäisch bestimmen. So kompliziert die Verhältnisse hier auch oft liegen, bestätigt doch eine eindringende Analyse durchaus die hier gegebene religionsgeschichtliche Erklärung.