Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 27)
- Language
- German
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Zur Frage der Entstehung der Kabbala ~ 25 Bewegung schon hier, direkt oder indirekt, Philonisehe Einflüsse gelangt sind, wie sie sich in pseudepigraphischen Midraschim mehrfach geltend gemacht haben, am stärksten in der Baraita des K. Pinchas ben Jair, ist schwer zu sagen. Ausgeschlossen ist es nicht, besonders seit wir durch Poznanski wissen, daß noch den ältesten Karäern Schriften Philos zum Teil bekannt gewesen sind. Die Untersuchung dieser noch offenen Frage wird dadurch erschwert, daß gerade in den größeren Texten der kabbalistischen Literatur sich starke Berührungen mit Details bei Philo nicht nur aus historischer Verbindung, sondern vor allem aus den verwandten methodischen Voraussetzungen der Exegese, besonders in manchen Stücken des Sohar, von selbst ergeben mußten, und natürlich Stellen solchen Charakters aus einer historischen Diskussion der Frage ausscheiden müßten, was bisher bei solchen Untersuchungen nicht berücksichtigt worden ist. Aus dem Orient ist diese Bewegung nun vermutlich in verschiedenen Etappen und auf verschiedenen geographischen Wegen nach dem Abendland gekommen. Hier erst begegnete sie der Gedankenwelt des Neuplatonismus, dessen Terminologie sie zuerst ohne Kenntnis ihrer Tragweite, im Gefühl ihrer Verwandtschaft und Verwendbarkeit zur exakteren Formulierung ihrer eigenen Inhalte übernahm, in die sie dann aber vom 13. Jahrhundert an unter allmählicher Zurückdrängung des gnostischen Elements, die nur gegen große Widerstände gelang, hineingewachsen ist. Das Erscheinen der Kabbala auf dem Schauplatz der Geschichte bezeichnet demnach nicht den Zeitpunkt ihrer Entstehung, sondern den ihres Zusammentreffens mit dem Neuplatonismus, das in der Provence stattfand. Uebrigens darf betont werden, daß auch der Name Kabbala für diese Form der Mystik erst im Abendland entstanden ist. Aus einer Untersuchung; der in den ältesten Texten und im Sohar gebrauchten Terminologie für Mystik und Mystiker ergibt sich, daß die ältesten Schriften ihn entweder überhaupt nicht kennen (wie Bahir und bemerkenswerterweise auch der Sohar, mit Ausnahme seines spätesten Teiles), oder doch meistens andere Ausdrücke benutzen, darunter sogar wörtliche Uebersetzungen der Wörter Gnostiker und Gnosis, die im Ijun-Kreis durchs Arabische vermittelt sein könnten. Nur sehr allmählich hat sich aus der Fülle der verschiedenen Bezeichnungen der Terminus Kabbala, Tradition, in den Vordergrund geschoben. Er stand urspinaiglich in einer Reihe mit Bezeichnungen wie „Wahrheit", „Weisheit", „Glaube" im prägnanten Sinn der mystischen Wahrheit usw. Sehr alt scheinen die Selbstbezeichnungen der Kabbalisten mit biblischen Namen (Maskilim, Chakhme Leb u. dgl.) zu sein, die schon in den ersten Texten ganz geläufig sind. Adjektiva wTie „innerlich" oder „wahrhaft" werden durchgehends im Sinne von „kabbalistisch" gebraucht. Einige dieser Termini waren offenbar im Orient üblich, lange bevor die Bewegung sich als Kabbala zu bezeichnen begann. Es kann hier nicht mehr auf die Frage, die einen besonderen Aufsatz erfordern würde, eingegangen werden, ob und wie die hier dargelegte An-