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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · 9 (1928) · p. Seite 23

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707534--368-2707939
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Zur Frage der Entstehung der Kabbala 23 logisches Element, wie es in den erwähnten Traditionen über die Aeonen der bösen Macht so stark hervortritt. Hier wird offensichtlich die Judaisierung ursprünglich dualistischer Vorstellungen versucht, die ihres häretischen Charakters notdürftig genug entkleidet sind. Die späteren Texte dieser Art dagegen sind Produkte einer recht unlebendigen Abstraktion. Eine Entstehung der Kabbala im Abendland ist nach all dem höchst unwahrscheinlich. Läßt sich ja auch durch nichts beweisen, daß etwa christliche Elemente darauf Einfluß gehabt hätten. Manche Scheinargumente aus der kabbalistischen Symbolik (Vater, Mutter u. dgl.) entfallen durch die Erkenntnis, daß diese Termini durchweg schon gnostischen Ursprungs sind und auch bei den Kabbalisten in solcher Nuancierung gebraucht werden, während eine spezifisch christliche Note damit nirgends verbunden ist. Der erste sicher christliche Terminus, dessen wörtliche Uebernahme in die Kabbala sich nachweisen läßt, ist erst durch Nachmanides, einen gewiß unverdächtigen jüdischen Frommen hineingelangt: Der Begriff, der — von der mittelalterlichen Kirche verworfenen! — Apokatastasis, der „Wiederbringung aller Dinge" zu ihrem ursprünglichen Sein, welchen Nachmanides auf die alte mystische Idee des Welten-Job eis anwendet, die in der älteren Kabbala eine große Rolle spielt. Nachmanides konnte diesen Begriff bei seiner Beschäftigung mit den Entwieklungen der christlichen Lehre leicht kennen lernen, zu der ihn seine polemisch-apologetische Tätigkeit ja zwang. Mehrfach ist von religionsgeschichtlich orientierten Forschern die Annahme geäußert wrorden, daß die Kabbala von der katharischen und albigensischen Bewegung beeinflußt sein könnte, die gerade in der Provence im 12. Jahrhundert ihre größte Stärke erreicht und viele ihrer Gebiete eine Zeitlang vollständig beherrscht hat. Daß dieser Neumanichäismus, der in verschieden radikalen Graden die gnostisch-dualistischen Lehren bewahrt hat, die Brücke bilden könnte, auf der gnostische Einflüsse in die Kabbala der Provence gelangen konnten, schien recht plausibel. Aber keiner dieser Forscher hat eine detaillierte Untersuchung dieser Frage versucht. Doch zeigt eine solche, daß gerade die hier erwiesenen gnostischen Materialien, Vorstellungen und Termini, in den katharischen Kreisen zum größten Teil nicht mehr vorhanden waren. Das einzige Lehrstück der radikalen Katharer, das mit der Kabbala im Detail übereinstimmt, ist die Seelen Wanderung, die sich aber in beiden Bewegungen leicht auf die gleichen Urquellen zurückführen läßt. Was wir sonst von den Anschauungen der provenzalischen Manichäer wissen, ist von einer Art, die auf Juden gar nicht wirken konnte, und weist nirgends Berührungen mit den gnostischen Details der kabbalistischen Tradition auf. Ist also die Entstehung der Kabbala aus der Berührung mit dieser Bewegung nicht zu erklären, so wäre eine Berührung der schon vorhandenen Kabbala mit ihr doch denkbar, so wenig wir auch darüber feststellen können. Die Behauptungen mancher katholischer Gegner der Katharer, sie (die strengen Antinomisten und Gegner des „bösen Gottes" der Juden!) judaisierten, führen auch nicht weiter. Um-

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