Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
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20 Gerhard Scholem Plotinschen und Gabirolschen Elementen, die ihr aufgepfropft sind. Isaaks Gebetmystik und Ritualsymbolik ist von ihnen überhaupt ganz unberührt, lieber Details dieser letzeren kennt schon er Differenzen unter den Kabbalisten, und alles spricht für eine längere Vorgeschichte der Vorstellungen dieser provenzalischen Konventikel, alles aber auch gegen eine ursprüngliche Zusammengehörigkeit der hier zusammengestoßenen Elemente. Auch der Ijun-Kreis läßt Beziehungen nach Deutschland erkennen: mehr noch als die Rolle des Saadjanischen Jezira-Kommentars, dessen Ideen bei den deutschen Chassidim eine genau entsprechende Rückbildung ins Mythologische erfahren haben, ist das magische Interesse dieser Schriften hierfür von Bedeutung. Die magischen Details dieser Schriften, unter denen auch das Golem- Motiv wiederkehrt, lassen sich alle in der Literatur der deutschen Chassidim belegen. Man kommt also auch hier dazu, doch festere Beziehungen der mystischen Zirkel beider Länder anzunehmen. Daß Isaak der Blinde die deutsche Gebetsmystik kannte, beweist ein Zitat bei üim. Von einer Vierweltenlehre nach Art der oben erwähnten wissen die Provenzalen aber nichts, dieses einzige neuplatonische Lehrelement, das sie aus Deutschland hätten erhalten können, hat bei ihnen also vorerst nicht weiter gewirkt. Betont werden muß hier, daß der Traktat Aziluth nicht etwa, wie mehrere Gelehrte, so auch Neumark, angenommen haben, ein Zeugnis für die provenzalische Kabbala der ältesten Zeit ist, sondern dem Anfang des 14. Jahrhunderts angehört. Seine falsche Datierung hat viel geschadet. Das Eindringen des Neuplatonismus läßt sich nun in der nächsten Generation immer tiefer verfolgen, mit besonderer Eindringlichkeit in Schriften, die in den zwanziger und dreißiger, zum Teil auch in den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts in Gerona verfaßt sind. Kapitel, die Isaak der Blinde, ja auch Juda ben Jakar, der Lehrer des Nachmanides, ohne alle Beziehung zu neuplatonischen Ideen behandelt, wie die Kawwanoth, die mystischen Meditationen, die mit dem Text der Stammgebete verbunden sind, werden nun im Gebetkommentar des Esra ben Salomo, Juda ben Jakars Zeit- und Ortsgenossen, plötzlich in die Begriffswelt des Neuplatonismus einbezogen. Natürlich ging dieser ganze Prozeß nicht ohne manche intellektuelle Gewaltsamkeiten ab. Esras Verwandter Asriel macht den ersten entschieden durchgeführten Versuch, die Sephiroth- Lehre nach Analogie der neuplatonischen Metaphysik zu entwickeln und sie des Charakters der gnostischen Aeonenlehre zu entkleiden. Er benutzt dabei stark die Bilder und Formeln des Ijun-Kreises; und gerade bei diesem Versuch kommt die ursprüngliche Wesensverschiedenheit der beiden Richtungen, die von nun an lange mit wechselndem Erfolg um die Hegemonie in der Kabbala kämpfen, am deutlichsten zum Ausdruck. Denn im Licht philosophischer Fragestellungen zeigen sich eben hier die Lücken, die ein ursprünglich gar nicht an ihnen orientiertes System in seinen Fundamenten aufweisen mußte. Der Versuch einer Beantwortung der durch solche Betrachtung der Kabbala aufgeworfenen Fragen mußte mit Notwendigkeit zu Neubildungen führen: indem die mytho-