Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
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Zur Frage der Entstehung der Kabbala 19 Kommentar Isaaks des Bünden und einigen dieser Schriften bestehen enge Beziehungen, die es höchst wahrscheinlich machen, daß ihm schon manches daraus vorlag, während andere gleichzeitig mit ihm, zwar nicht in seinem Kreis, aber in ihm nahestehenden Konventikeln der Provence entstanden sind, Asriel benutzt sie schon ausgiebig. Bahir spielt in diesem Kreis kaum eine Rolle, und es scheint, daß sie das kabbalistische Material, das sie bearbeiten, anderswo her erhalten haben. Stärker war der Einfluß des Bahir auf die Kabbala Isaaks des Blinden, die schon völlig die Form ausgebildet zeigt, die sie im 13. Jahrhundert hat. Andererseits steht bei ihm auch noch vieles, was bei den späteren Kabbalisten völlig zurückgetreten ist, und daher für uns, die keinen Schlüssel dazu haben, rätselhaft erscheint. Er benutzt außer der ihm und den späteren durchaus gemeinsamen Terminologie auch eine ältere, besonders tritt bei ihm noch die Machschaba-Spekulation des Bahir in einer jenseits seines Kreises ganz erloschenen Form sehr in den Vordergrund. Ob der Gottesname „der Unerfaßbare", der sich neben En Soph bei ihm und seinen Schülern (sonst nur noch im Sohar) findet, gnostischen oder neuplatonischen Ursprungs ist, läßt sich schwer entscheiden. Von einem nachweisbaren Einfluß Gabirols ist Isaak noch frei, auch die Lichtmetaphysik spielt überhaupt keine Rolle bei ihm. Da er Schriften benutzt hat, in denen sie hemmungslos verwandt wird, so wird er sie wohl mit Absicht ausgeschlossen haben. Die ausdrückliche Identifikation von Gottesnamen, Sephiroth und intellegiblen Lichtern taucht zuerst in einem Pseudo-Hajschen Responsum aus dieser Zeit auf, in dem auch die Terminologie von Gabirols „Lebensquelle" sich unverkennbar geltend macht. Dagegen scheint zum erstenmal bei Isaak die ontologische Hierarchie Plotins hindurch. Die sprachliche Natur der Sephiroth als Logoi tritt noch stark hervor, und ihre Einordnung in jene Hierarchie ist in keiner Weise durchgeführt, Schon dies macht klar, daß all diese Schriften nicht etwa neuplatonische Schultraktate und sonst nichts sind, vielmehr sind diese Elemente hier seitsam vermischt mit ganz anders gerichteten Spekulationen, die besonders im Ijun- Kreis Verbindung nach der Merkaba-Mystik hin suchen, wie auch rein literarisch mehrfach hier die Fiktion einer solchen Verbindung aufrechterhalten wird. Hier werden auch kosmogonische Fragen in einer Weise behandelt, in der Saadjanische Gedanken über den Uräther und dergleichen wieder ganz in die mythische Kosmologie der Merkaba-Mystik zurückgelenkt werden. Das Verhältnis der Sephiroth-Welt zur Merkaba-Weit, das bei Isaak dem Blinden durch die entschiedene Ueberordnung der ersteren eine prinzipiell bedeutungsvolle Lösung gefunden hat, ist hier noch ganz verworren. Von einer wirklichen Durchdringung der Kabbala dieser beiden Gruppen vom Neuplatonismus kann keine Rede sein; es ist nur erst ein Einbruch, dem noch starke Kräfte Widerstand geleistet haben. Ja gerade in den Schriften des Ijun-Kreises ist die Abwesenheit einer durchgeführten philosophischen Konzeption evident und im Midrasch des Simon ha-Zaddik z. B. liegt die ursprünglich gnostische Konzeption der Sephira-Vorstellung geradezu in offenem Widerstreit mit den