Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 17)
- Language
- German
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Zur Frage der Entstehung der Kabbala noch nicht gedacht haben. So ist der Gottesname Che olamim aus den Hechaloth hier zum Namen eines Aeon geworden. Der Weltenbaummythus, ebenso aber auch magische Kapitel, die aus der Zauberliteratur stammen, werden mit Mischnajoth aus Jezira verbunden, ohne daß gerade diese Jezira-Deutungen auch nur das mindeste vom Einfluß philosophischen Denkens verrieten. Der Terminus Sephiroth selbst kommt außer an einer späten Stelle noch nicht vor — hier scheint sich der Einfluß von Jezira erst sehr spät geltend gemacht zu haben — sondern die mystischen Wesenheiten heißen middoth (Attribute), Kräfte und in einer Schicht auch Logoi. Das Sephiroth-Schema ist in den verschiedenen Teilen des Buches z. T. noch im Fluß, und wir erhalten Einblick in mehrere seiner Entwicklungsstufen. Nur in der letzten Schicht des Buches trifft man einige philosophische Termini an, von systematischen Gedanken philosophischer Herkunft kann nicht die Rede sein. Einfluß neuplatonischer Spekulation vor allem ist nicht nachweisbar, das wenige, was über den Zusammenhang der göttlichen Logoi untereinander vorgebracht wird, zeigt noch ganz dieselbe mythologische Haltung wie etwa Stellen dieser Art aus der Pistis Sophia. Von einer Emanationslehre im neuplatonischen Sinn fehlen sachlich und terminologisch die entscheidenden Charakteristika, wie auch überhaupt jede Andeutung des neuplatonischen Kanons der Hierarchie des Seins: Gott Nus Seele Natur Körperwelt. Von einem Einfluß Gabirols ist erst recht nichts zu finden. Den „Willen" kennt das Buch nirgends, statt dessen steht an erster Stelle der Emanationen, genau wie in vielen gnostischen Systemen, die Machschaba, der „Gedanke" Gottes, die hier manchmal ganz wie ein gnostischer Aeon, manchmal aber auch im Sinne der haggadischen Anschauung erscheint. En Soph als Terminus kennt das Buch durchaus noch nicht, nur die Unendlichkeit des Denkens als eines Abbildes der Machschaba Gottes wird an mehreren Stellen hervorgehoben. Auf jüdisch-spanische Philosophie (des 12. Jahrhunderts) läßt sich mit Sicherheit nur eine Spekulation zurückführen: die Deutung von Tohu und Bohu am Beginn des Buches steht am Anfang des Hegjon ha-nephesch des Abraham bar Chija, der ja z. T. auch in der Provence gelebt hat. AU diese und viele andere Details weisen gebieterisch auf einen historischen Zusammenhang der Kreise, in denen die im Bahir niedergelegten Vorstellungen entstanden sind, mit irgendwelchen Resten der gnostischen Bewegung, bevor noch ein wirklich ins Gewicht fallender neuplatonischer Einfluß hervortreten konnte. So wäre ja auch die Selbstverständlichkeit unerklärlich, mit der jschon hier in z. T. alten Stücken die Lehre von der Seelenwanderung vorgetragen wird, wenn sie erst zu einer Zeit ins Judentum gekommen wäre, zu der schon eine einstimmige Festlegung aller großen jüdischen Theologen gegen diese Lehre erfolgt war. So muß denn auch sie schon vor dieser Polemik in jüdische Kreise gedrungen sein; wir finden sie ja auch schon bei den ältesten Karäern. In der Tat haben viele gnostische Schulen gerade in Syrien sie gelehrt, und der Terminus Metensomatosis, den manche von ihnen dafür gebrauchen, könnte aufs genaueste eine Vorstellung decken, wie sie in § 86 des