Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
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11 Kreisen der Ekstatiker, so sehr es im Stii eine gewisse Verwandtschaft zu deren Schreibart aufweist, sondern bezeugt eine sonst für uns nur noch in vereinzelten haggadischen Sätzen zum Ausdruck gelangte Nebenströmung, die die kosmischen Geheimnisse im Medium der Sprache zu erfassen suchte, gewiß nicht ohne magische Tendenzen, und die beim Verschwinden oder Versickern des Hauptstromes um so stärker hervorgetreten ist. Als ein Versuch der, freilich recht äußerlich gebliebenen Vereinigung von Jezira- und Merkaba-Mystik qualifiziert sich der letzte Ausläufer dieser vorkabbalistischen Mystik. Hatte diese vor allem in Babylonien, aber auch wohl, besonders später, in Syrien und Palästina gespielt, so führt jener ins Rheintal. Es ist der deutsche Chassidismus des 12. und 13. Jahrhunderts. In der Tat beweist seine Literatur, daß er in vielen Stücken das Erbe Babyloniens angetreten hat, nur daß die gnostischen Antriebe der Bewegung hier weitgehend eliminiert und durch andere ersetzt sind. Den ekstatischen Charakter hat die Bewegung völlig verloren, den asketischen aber bedeutend verschärft, sowie neue Elemente, vor allem Gebetsmystik, entwickelt, aber auch sie auf älteren Grundlagen, die ihr aus Italien zugekommen sind. Der deutsche Chassidismus ist ein wichtiges Reservoir vieler älterer Materialien, die oft ganz unverbunden nebeneinander liegen. Aus Babylonien stammende Texte der früh- oder mittelgaonäischen Zeit, darunter große Beschwörungsformeln wie die von Montgomery aus Nippur veröffentlichten, haben sich für uns nur in dieser Literatur erhalten, in die sie direkt oder durch italienische Vermittlung gelangt sind. Die Jezira-Spekulation hat hier die magischen Elemente ihrer Kosmologie scharf in den Vordergrund geschoben, und in Verbindung damit hat sich unter diesen Chassidim die Golem-Mythologie radikal ausgebildet. Die Aufeinanderbeziehung von Hechaloth und Jezira besteht hier in einer neuerstarkten Magisierung beider. Daneben steht aber auch schon, wie noch darzulegen sein wird, neuplatonisches Material ganz anderer Herkunft, sowie vor allem saadjanische Spekulation. Die umfangreichen Werke und Kompilationen des Elasar von Worms (gest. 1238), in denen sich dieses reiche Erbe vielschichtigen Geistesgutes meistens erhalten hat, sind leider zum überwiegenden Teile ungedruckt. Die Entstehungsgeschichte der klassischen Kabbala muß mit dieser Bewegung, die man nach A. Epsteins Vorgang die „deutsche Kabbala" nennt, stärker als bisher rechnen. Deutschen Ursprungs freilich ist außer den vielen Elementen alter deutscher Superstitionen, die sie in sich aufgenommen hat, nichts an ihr. III. Zwischen der im vorigen Abschnitt kurz gekennzeichneten Bewegung und dem historischen Auftreten der Kabbala in der Provence um 1200 liegt eine Kluft von mehreren Jahrhunderten. Im Kreise Isaaks des Blinden und in verwandten Konventikeln taucht die neue Bewegung an verschiedenen Orten der Provence und Spaniens auf. Sie beruft sich auf Verbindungen nach Deutsch-