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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · 9 (1928) · p. Seite 10

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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10 lenden Periode des allmählichen Abklingens der Bewegung, die man in ihrer Leistung kurz als Transformation der gnostischen Erleuchtung zum literarischen Erbauungsstoff charakterisieren kann, scheint sie soweit judaisiert, daß sie, sich der Formen des (pseudepigraphischen) Midrasch bedienend, einen breiten Einfluß auf die spätere haggadische Literatur der sogenannten kleinen Midraschim ausüben konnte. Hier nun entsteht die Frage, ob sich nicht auch in dieser Periode in gewissen Kreisen die ursprünglichen religiösen Antriebe dieser Gnosis erhalten und zu weiterer Entwicklung der Bewegung auf dem Boden der Mystik geführt haben mögen? In den weiteren Ausführungen wird hierauf zurückzukommen sein. ★ Was dieser hier besprochenen Form jüdischer Gnosis fehlt, ist das theoretisch-spekulative Interesse. Nur insoweit immanent schon in der gnostischen Spekulation philosophische, speziell platonische Motive mitschwingen, kann von einem philosophischen Einfluß auf diese Bewegung gesprochen werden. Es ist bemerkenswert, daß gerade die Aeonenspekulation vieler gnostischer Systeme, in der man den relativ stärksten Einfluß griechischer Philosophie auf die Gnosis festgestellt hat, in der Merkaba-Mystik fast vollständig zurückgetreten ist, wo keine Hypostasen abstrakter Begriffe, sondern Wesen einer jüdischen Mythologie ganz anderen Charakters die Hauptrolle spielen. Doch könnte dies in anderen Kreisen sich anders verhalten haben, wie durch die Aeonenspekulation der ältesten kabbalistischen Quellen einigermaßen wahrscheinlich gemacht wird. Der einzige Text, der prinzipielle Gedanken eines gewissen Kreises jüdischer Mystiker, sei es in talmudischer, sei es erst in gaonäischer Zeit zum Ausdruck bringt, und zwar Gedanken, die nicht ausschließlich der Welt der Gnosis angehören, ist das Buch Jezira. Vergeblich sind die Versuche, dies rätselvolle kleine Buch als Produkt einer „naiven" Sprachspekulation zu erklären, die mit der Mystik in keiner Verbindung stünde. Wo immer man seine geistige Heimat suchen will: ob, wie der Autor dieser Zeilen, im Neupythagoräismus, der auch sonst mit der Gnosis viele Verbindungen eingegangen ist, ob im Neuplatonismus oder anderswo — zu eindeutig steht der rein gnostische Charakter vieler seiner Sätze fest, von denen manche auf einen Zusammenhang mit Vorstellungen deuten, wie wir sie in der valentinianischen Gnosis finden. Es sei nur etwa auf die Jaho-Spekulation im Jezira hingewiesen, die entschieden wie eine Judaisierung einer der fundamentalen kosmogonischen Vorstellungen bei Valentinus anmutet. Daß das Buch Jezira historisch nicht unmittelbar mit den in ihm vertretenen, teilweise ja völlig undurchsichtigen Gedanken, sondern vielmehr, vielleicht gerade seines rätselhaften Stiles wegen, durch die Möglichkeit gewirkt hat, die verschiedensten Gedanken in es hineinzulesen, ist gewiß. Die Versuche, seinen Inhalt und den der andern mystischen Quellen, besonders der Merkabamystik, aufeinander zu beziehen, haben in der weiteren Entwicklung der Mystik eine große Rolle gespielt. Sicher stammt das Buch nicht aus den

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