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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · 9 (1928) · p. Seite 9

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Zur Frage der Entstehung der Kabbala 9 der in den Talmuden und alten Midrasehim bezeugten alten jüdischen Gnosis unmittelbar in Zusammenhang stehen dürfte, so wird damit nicht etwa ihre Literatur in den uns vorliegenden Formen als so alt angenommen werden. Wohl aber darf gesagt werden, daß das Material dieser Texte bis in die genannte Periode hinaufreicht, daß es uns eben zum großen Teil nur in späteren Umarbeitungen vorliegt, die sich über viele Jahrhunderte hin verteilen. Und wie schon betont, spricht bei manchen von ihnen auch die Form für ein hohes Alter. Besonders aufschlußreich ist unter vielen oft erstaunlichen Details die Durchsetzung der Texte mit magischen Elementen, mit sich oft lange hinziehenden unverständlichen voces mysticae. Gerade diese dunklen Elemente aber sind, wie die Religionsgeschichte des Synkretismus uns lehrt, nicht später Zusatz und „Verfallserscheinungen", wie der rationalistische Beurteiler leicht annehmen könnte, sondern gehören vielmehr zum ursprünglichen Besitz dieser Bewegungen, in denen tiefe religiöse Inbrunst mit der Magie, wie sie uns in den Zauberpapyri überliefert ist, eine unlösliche Verbindung eingegangen ist. Nur in Kreisen, wo diese Dinge wirklich praktiziert wurden, hatten die magischen Elemente einen natürlichen Platz in den Texten. So ist denn kein Wunder, daß in den uns erhaltenen zahlreichen Hechaloth-Rezensionen sich hier deutlich zwei Schichten abheben: eine ältere spiegelt eine Blütezeit der Bewegung wieder, in der sie sich noch ungebrochen behauptete und in der auch die magischen Elemente ihren vitalen Platz einnahmen. Anders in der zweiten Schicht, der die Mehrzahl der gedruckten Rezensionen angehört: hier tritt uns die Bewegung der Jorde Merkaba (so nannten sich diese Mystiker selbst) schon in einem Verfallszustand entgegen. Die Texte sind „lesbarer" und verständlicher geworden, die magischen Elemente sind zum größten Teil eliminiert, und übrig bleibt eine schwärmerisch angehauchte Erbauungsliteratur. So muß denn für diese jüdische Gnosis eine lange Entwicklung angenommen werden, wie sie ja auch keineswegs einheitlich ist und, wie angedeutet, in verschiedenen Konventikeln verschiedene Formen angenommen hat, die erst in späteren Stadien eine Symbiose eingingen. Die Bewegung ist keine rein „innerjüdische", wie dargelegt, wohl aber orientiert sie sich in immer wachsender Weise an jüdischem Material, und das bedingt wesentliche Unterschiede ihrer äußeren Physiognomie von der der heidnischen oder christlichen Gnosis. Daß sie in ihren älteren Stadien auch Spekulationen aufgenommen hat, die auf jüdischem Boden sehr bedenklich waren, zeigen die alten Schiui-koma-Fragmente, die eine sonderbare und sehr undurchsichtige, durch die Beziehung aufs Hohelied nur notdürftig judaisierte Form der iranischen und gnostischen Urmenschvorstellungen zu enthalten scheinen. Daß diese Vorstellungen erst aus dem Einfluß islamitischer (natürlich ebenfalls iranischgnostisch beeinflußter!) Sekten zu erklären seien, muß entschieden bestritten werden. Zu eindeutig weisen sie noch in die Epoche des Synkretismus. Die Berührungen dieser jüdischen Literatur mit der der Gnosis, der Zauberpapyri und der der Mandäer sind im Detail erst ganz ungenügend studiert und viel stärker, als gemeinhin angenommen wird. In der zweiten, sicher in die gaonäische Zeit fai-

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