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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · 9 (1928) · p. Seite 6

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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6 Gerhard Scholem baren philosophischen Literaturkette im Detail vorführen zu können, wobei der Uebergang „philosophischer" Konzeptionen in „kabbalistische" sich aus den der Merkabalehre zuneigenden Autoren belegen lassen soll, die zwar noch in der Terminologie der Philosophen schreiben, aber im Grunde eben jener latenten Parallelbewegung angehören, aus der die spekulative Form der Kabbala im 13. Jahrhundert hervorgewachsen ist. Sicher ist, daß diese Konstruktion Neumarks, die der allzueinfachen Grätzschen weit überlegen scheint, Bedeutung behält, selbst wenn ihre zum großen Teil sehr zweifelhafte und einer Nachprüfung nicht standhaltende Begründung als gescheitert anzusehen ist, wie das der Autor dieser Zeilen glaubt. Sicher haben innerhalb der philosophischen Bewegung Strömungen der von ihm charakterisierten Art existiert, die nach, dem historischen Auftauchen der Kabbala in sie hineingelenkt wurden, und keine Geschichte der Kabbala wird sie ohne Schaden vernachlässigen dürfen. Und doch kann, wie die unbefangene Analyse der kabbalistischen Literatur, die gerade Neumark allzuoft mit großer Gewaltsamkeit interpretiert, es erweist, die wahre Antwort auf unser Problem nicht auf dieser Linie, gefunden werden. Die entscheidende Entwicklung ist in ganz anderen Bahnen verlaufen, und führt letzten Endes zurück in die Welt des mystischen Synkretismus der späten Antike, der unter dem Namen Gnosis vor allem in seinen christlichen Ausprägungen bekannt ist, und der doch in heidnischen und jüdischen Kreisen, wie wir .heute* wissen, nicht minder verbreitet gewesen ist. Die folgenden Ausführungen über das Problem können natürlich nur die Resultate, ja teilweise nur die Fragestellungen als solche formulieren, die aus einer Durchforschung des mir zugänglichen Materials sich ergeben. Daß auch die Lösung, die nun hier versucht wird, eine Konstruktion ist, sei der Klarheit halber hervorgehoben: keine nur auf philologischer Analyse, also auf Indizien, aber nicht auf Dokumenten, die jeder Diskussion entrückt sind, basierende Theorie kann mehr liefern. Und solche Dokumente kennt man bisher nicht. Und nur mit großen Bedenken kann solche leicht anmaßend und kategorisch klingende Darstellung einer Theorie unternommen werden, ohne daß ihre nur am Detail durchzuführende Rechtfertigung aus den Texten heraus hier gegeben werden kann. Die einfache und doch sich sehr erfolgreich auswirkende methodische Voraussetzung der hier vertretenen Anschauungen ist die, daß die kabbalistische Bewegung adäquat nicht in den Kategorien der Philosophiegeschichte dargestellt werden kann, sondern nur in denen der Religionsgeschichte, so eng sie immer ihre Verbindung mit der Philosophie erweisen mag und so sehr gerade für die gnostische Bewegung der Spätantike die Forschung der letzten Generation das innige Verflochtensein dieser beiden Mächte hat hervortreten lassen. Ist ja doch die Struktur jener Philosophie, um die es sich dort handelte, gerade im Verhältnis zur Religion völlig verschieden von der der mittelalterlichen, auch dej jüdischen Scholastik. Zu sehr ist von vielen Forschern der fundamentale Tatbestand verdunkelt worden, daß es religiöse Motive und keine anderen waren, die die Entwicklung der Kabbala entscheidend bestimmt haben, auch

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