Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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Gustav Bradi der Größe, in der er ihre Aufgabe vor sich sah, hatte er volles Verständnis auch für die rein gelehrte Facharbeit, die in dem Forschungsinstitut geleistet wurde. Er hatte den Weitblick, sie als notwendiges Mittel für die ihm vorschwebenden letzten Ziele jüdischer Wissenschaft zu begreifen. Sein Glaube an die Sache, der er diente, gab ihm die Kraft, sie mit der außerordentlichen Wirksamkeit zu vertreten, die ihn auszeichnete. Wenn er für die Akademie eintrat, hatte er das Bewußtsein nicht für eine Anstalt zu werben, sondern eine Idee zu vertreten. Er ging nicht darauf aus zu überreden, sondern er wollte überzeugen. Er konnte es um so mehr, weil er mit dem hochgespannten Idealismus seines Glaubens, mit der Festigkeit seines Willens einen klaren, nüchternen Wirklichkeitssinn verband, der stets nur das Mögliche wollte und den Weg von der Idee zur Wirklichkeit zu finden wußte. Der seltenen Verbindung solcher Eigenschaften ist das große Werk zu danken, das Gustav Bradt für die Akademie vollbracht hat. Kein Einzelner wird die Lücke ausfüllen können, die durch seinen Tod entstanden ist. Nur den vereinten Kräften aller seiner Mitarbeiter kann es gelingen, fortzuführen, was er begründet hat. An dem ernsten Willen dazu fehlt es nicht, und das Werk Gustav Bradts ist gefestigt genug, um auch ohne seinen Schöpfer fortbestehen zu können. Für alle Zeiten aber ist der Name Bradts mit der Akademie verbunden, und die Gestalt dieses außerordentlichen Mannes wird stets in ihrer liebevollen Verehrung lebendig bleiben.