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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · 9 (1928) · p. Seite 2

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707534--347-2707918
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2 Julius Guttmann Niemandem, der die Akademie kennt, braucht gesagt zu werden, was sie an Gustav Bradt verloren hat. Der Tatkraft und Hingabe, mit der er für sie gewirkt hat, seit er sich Herrmann Cohen als treuester Helfer bei den Vorarbeiten zu ihrer Begründung zur Verfügung stellte, hat sie es zu danken, daß sie ins Leben treten und zu dem werden konnte, was sie geworden ist; und soviel auch andere für sie getan haben, sie ist sein Werk, mit dem sein Name unlöslich verbunden ist. Nach außen hin der begeisterte, unermüdliche und erfolgreiche Vertreter ihrer Idee, war er im Inneren der eigentliche Träger ihrer Verwaltungsarbeifc. Von seiner enthusiasmierenden Persönlichkeit ging der Impuls aus, der alle seine Mitarbeiter beseelte und zu gemeinsamem Wirken vereinte. Den Hauptteil der Arbeit aber hat er auf seine eigenen Schultern genommen. Seiner stets regen Initiative entstammten die Ideen zum Ausbau und zur Entwicklung der Organisation der Akademie. Mit gleicher Hingabe aber hat er auch die laufende Arbeit des Tages geleitet. Es verging kein Tag, an dem der viel beschäftigte Mann nicht mehrere Stunden der Verwaltung der Akademie widmete, und auch das Kleinste war ihm nicht zu unbedeutend, um es selbst in die Hand zu nehmen. Auch der wissenschaftlichen Arbeit des Forschungsinstitutes suchte er bis ins Einzelne hinein zu folgen, nicht um seine Entwicklung sachlich zu beeinflussen, sondern um seine Interessen mit vollem Nachdruck vertreten und den notwendigen Zusammenhang zwischen Forschungs- und Verwaltungstätigkeit aufrechterhalten zu können. Nur der tiefsten inneren Verbundenheit mit der Idee der Akademie konnte eine solche Leistung entspringen. Bradt betrachtete seine Fürsorge für die Akademie als die Bewahrung eines Vermächtnisses, das Hermann Cohen ihm anvertraut hatte; aber die Treue, mit der er dieses Vermächtnis hütete, hatte keinen bloß persönlichen Grund. In dem Persönlichen sprach sich vielmehr ein sachliches Motiv aus, das dem innersten Kern seines Wesens entstammte. In der Ideenwelt Herrmann Cohens hatte er den gedanklichen Ausdruck für die Einheit von religiösem und wissenschaftlichem Idealismus gefunden, die in ihm selbst lebte. In der Ehrfurcht vor dem alten Thorastudium aufgewachsen, sah er in der Erforschung jüdischer Lehre die stärkste Kraft zur Vertiefung jüdischen Glaubens und Lebens. Der Reife seines wissenschaftlichen Bewußtseins aber war es selbstverständlich, daß die Erforschung der jüdischen Lehre in unserer Zeit nur im Geiste wissenschaftlicher Methode möglich sei. Was einst die alte Thoragelehrsamkeit gewesen war, mußte jetzt die jüdische Wissenschaft werden. Der Glaube an die erneuernde Kraft der jüdischen Wissenschaft, der einst ihre Begründer erfüllt hatte, war auch in ihm lebendig, und er sah die Aufgabe der Akademie darin, diesem letzten und höchsten Ziele jüdisch-wissenschaftlicher Arbeit zu dienen. In solcher Größe hat es stets das Ziel der Akademie verstanden. Sie sollte nicht eine wissenschaftliche Anstalt neben anderen, sondern ein Mittelpunkt der Erforschung und der geistigen Belebung des Judentums sein. Er selbst war freilich Forscher genug, um zu wissen, daß wirklich fruchtbare wissenschaftliche Arbeit die Vertiefung ins Einzelne verlangt, und trotz

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