Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · 8 (1927) · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2707513-2707522--319-2707889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die halachischen Midraschim 17 sich auch in den meisten dieser Fälle die Deutungen beider Midraschim auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Wie in seinem Inhalte, so bekundet Sifre Zutta auch in seiner äußeren Form seine Verwandtschaft mit dem Sifra. Wenn auch der Redaktor des Sifre Zutta ganz besonders beim Gebrauch der Terminologie seine eigenen Wege wandelt, so fällt es doch nicht schwer, nachzuv/eisen, daß seine Terminologie im allgemeinen teils künstlich, teils in geradliniger Entwicklung aus der des Sifra herausgebildet wurde. Aus den angegebenen Umständen darf wohl mit Recht gefolgert werden, daß der Sifre Zutta zur Gruppe des Sifra gehört und daß beide Midraschim ihrem Grundstocke nach eine Einheit darstellen. Es muß aber betont werden, daß der Redlaktor des Sifre Zutta außerdem Quellen benutzt zu haben scheint, die dien anderen Midraschim ganz fremd waren, wie dies u. a. aus den Namen der Tannaiten, die er anführt, zur Genüge hervorgeht. Haben wir beim Sifre Zutta sicheren Boden unter den Füßen, da die meisten Stellen aus dem Jalkut stammen, der seine Quellen mit Namen nennt, so kann dies von der Mechilta de R. Simon nicht behauptet werden. Die von Hoffmann veranstaltete Ausgabe stammt zum weitaus größten Teile aus dem Sammelwerk Midrasch Hagadol, in dem — wie von Israel Lewy nachgewiesen wurde — die Mechilta de R. Simon exzerpiert ist. Da aber der Sammler des Midrasch Hagadol seine Quellen nicht nennt und überdies mit ihnen ganz willkürlich verfährt, so ist bei der Verwertung und Bestimmung seiner Baraitot eine ganz besondere Vorsicht geboten. Jede einzelne Stelle muß zunächst darauf untersucht werden, ob sie tatsächlich aus der Mechilta de R. Simon stammt und nicht vom Verfasser des Midrasch Hagadol anderwärts exzerpiert wurde, ehe sie als Beleg für irgendeine Behauptung herangezogen wird. Zum Glück besitzen wir eine Anzahl von Fragmenten und Zitaten alter Autoren, deren Prüfung uns in die Lage setzt, die Terminologie und feststehenden Erklärungen der Mechilta de R. Simon festzustellen. An der Hand dieser Merkmale können auch die Stellen in Midrasch Hagadol, die aus Mechilta de R. Simon herrühren, bestimmt werden. Ein Vergleich dler gebräuchlichen Formen und Redewendungen der Mechilta de R. Simon mit denen der anderen Midraschim ergibt, daß Mechilta de R. Simon zur Gruppe des Sifre zu Deut, gehört, dessen Quellen sie auch hauptsächlich benutzte. Da aber Sifre Deut, oft auf dieselben Quellen zurückgeht wie Sifra, so ist daraus auch die Tatsache zu erklären, daß sich manche Beziehungen zwischen Sifra und Sifre Zutta einerseits und Sifre zu Deut, und Mechilta de R. Simon andererseits nachweisen lassen. Sind auf diese Weise die Eigentümlichkeiten und charakteristischen Merkmale der Midraschgruppen festgestellt, so ist es ein Leichtes, die im Talmud aufgeführten Baraitot auf ihre Herkunft zu prüfen und in die uns bekannten Gruppen einzureihen. Welche Perspektiven sich dadurch für die Talmudforschung eröffnen, braucht wohl dem Fachmann nicht gesagt zu werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.