Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
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16 Die halachischen Midraschim Trotzdem die vielfachen Spuren verschiedener Quellen und Schulen in unseren Midraschim unverkennbar sind, wird doch ziemlich allgemein angenommen, daß die einzelnen Midraschim ihrem Grundstock nach aus einer Schale stammen, und zwar wird die Mechilta und der Sifre zu Num. als ein Midrasch aus der Schule R. Ismaels, der Sifra und Sifre zu Deut, als einer aus dler Schule R. Akibas angesehen. Diese Annahme gründet sich hauptsächlich auf die grundsätzlichen Unterschiede in der Bibelexegese der genannten Tannaiten, die angeblich im Talmud und in den Deraschot der verschiedenen Midraschim übereinstimmend zum Vorschein kämen, und ganz besonders auf den Nachweis, daß die im Talmud und in den Midraschim angeführten Baraitot des R. Ismael in Mechilta und Sifre zu Num. sehr stark vertreten seien. In unseren Untersuchungen über die halachischen Midraschim haben wir diese Beweisführung einer Prüfung unterzogen und sind zum Resultat gekommen, daß die Voraussetzungen nicht in ihrem ganzen Umfange zutreffen und daß auch dlie aus ihnen gezogenen Schlüsse zu weit gehen und mehr besagen, als sich aus den Prämissen ergibt. Unseres Erachtens darf aus dem einschlägigen Material nur gefolgert v/erden, daß es zwei Hauptgruppen von Midraschim gibt, und zwar gehört Mechilta und Sifre zu Num. der einen und Sifra der anderen Gruppe an, während Sifre zu Deut, eine Zwischengruppe bildet. Dem Redaktor von Mechilta und Sifre zu Num. standen andere Quellen zu Gebote als denen von Sifra und Sifre zu Deut. Unter den Quellen der Mechilta und des Sifre zu Num. befanden sich viele aus der Schule R. Ismaels. Sifra und Sifre zu Deut, benutzten sehr häufig dieselben Quellen. * Es ist bereits oben davon die Rede gewesen, daß mehrere Midraschim infolge der geringen Beachtung, die sie fanden, im Laufe der Zeit abhanden gekommen sind. Zu ihnen gehören in erster Reihe der Sifre Zutta zu Num. und die Mechilta die R. Simon zu Exodus, die noch von mittelalterlichen Autoren angeführt werden, uns aber nur noch aus einigen Genizafragmenten und den Auszügen besonders in Jalkut und handschriftlichem Midrasch Hagadol bekannt sind. Die vorhandenen Bruchstücke des Sifre Zutta sind zuletzt von S. Horovitz, die der Mechilta de R. Simon von Hoffmann gesammelt und herausgegeben worden. Obwohl man auf Grund dieser Bruchstücke kein umfassendes Urteil über die Beschaffenheit dieser Midraschim abgeben kann, so genügen sie doch, um mit ihrer Hilfe die Einreihung des Sifre Zutta und der Mechilta de R. Simon in die uns bekannten Midraschgruppen vorzunehmen. Der Sifre Zutta weist eine Reihe von stereotypen Deutungen auf, die auch im Sifra zu den gleichlautenden oder ähnlichen Textworten im Lev. gegeben sind. Hier und da zeigt zwar der Redaktor des Sifre Zutta eine gewisse Selbständigkeit bei der Wiedergabe dieser Deutungen. Doch lassen