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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · 8 (1927) · p. Seite 15

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707522--317-2707887
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Die halachisrhen Midraschim amoräische Quellen genannt werden, zur Folgerung, daß ihm unsere Midraschim überhaupt unbekannt waren. Denn wie wäre sonst die Tatsache zu erklären, daß der Talmud Baraitot, die sich in unseren Midraschim finden, nicht unmittelbar aus ihnen anführt, sondern sich erst der Vermittlung eines Amoräers bedient, der unsere Midraschim angeblich seinerseits benutzt hätte? Nur die Annahme, dlaß der Talmud unsere Midraschim nicht kannte, vermag alle auftauchenden Schwierigkeiten der angeführten Art zu beheben. Mit obigem Nachweis ist es auch wahrscheinlich gemacht, daß unsere halachischen Midrachlm erst in spättalmudischer Zeit abgefaßt wurden. Denn, wenn auch die Möglichkeit nicht auszuschließen ist, daß sie schon früher existiert haben, obwohl sie dem Talmud unbekannt waren; so muß doch zugegeben werden, daß diese Möglichkeit nur einen geringen Grad von Wahrscheinlichkeit für sich hat. Ganz und gar ausgeschlossen scheint uns aber danach die Annahme zu sein, daß R. Chija „der letzte Redaktor'4 unseres Sifra wäre. Denn mit einem Werke, das von R. Chija redigiert wäre, müßte man eine größere Vertrautheit dies Talmud voraussetzen. R. Chija ist ebenso wenig wie der Redaktor der Tosefta der des Sifra. Die Tatsache, daß sich Baraitot des R. Chija in unserem Sifra finden, ist daraus zu erklären, daß der Redaktor auch Baraitot des R, Chija neben anderen in seine Sammlung aufnahm. Das angeführte Verhältnis zwischen den Baraitot, die im Talmud mit Quellenangabe angeführt sind1, und ihren Parallelen in den Midraschim ist auch geeignet, einiges Licht auf die Zusammensetzung unserer Midraschim zu werfen. Wir wissen, daß die im Talmud aus verschiedenen Quellen angeführten Baraitot sich in einem und demselben Midrasch finden. Dies beweist, daß unsere Midraschim aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt sind, v/as auch zur Folge hat, daß bald die Lehre des einen Tannaiien, baid die des andern anonym überliefert ist. Dieser Beweis kann auch an der Hand unserer Midraschim selbst erbracht werden. Denn wir sind oft in der Lage, einzelne anonyme Lehrsätze auf ihre Urheber, die an einer anderen Stelle genannt werden, zurückzuführen. Dabei ergibt sich, daß an den anonymen Deraschot jedes Midrasch ein großer Teil der Tannaiten Anteil hat. Dies läßt sich daraus erklären, daß jeder unserer Midraschim aus verschiedenen Quellen stammt, die ihrerseits aus mehreren Sammlungen zusammengesetzt waren. Ebenso kann man in unseren Midraschim dicht nebeneinander Baraitot begegnen, die entweder einen Widerspruch enthalten oder denselben Derasch in anderer Version wiedergeben. Endlich sind an einigen Stellen auch Nachträge wahrzunehmen, die sich darin kundgeben, daß nach Abschluß dler Deraschot zu einem Bibeltext von neuem mit Deraschot begonnen wird, die schon vorher aufgeführt v/erden mußten. All diese Erscheinungen weisen auf verschiedene Quellen hin.

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