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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · 8 (1927) · p. Seite 14

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707522--316-2707886
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14 Die halachischen Midraschim durch eine Baraita eine Bestätigung, so ist hiermit seine Richtigkeit erwiesen. Denn die Entscheidung einer Baraita ist für die Amoräer bindend, sofern sich nicht aus einer anderen tannaitischen Quelle das Gegenteil nachweisen läßt. Aus diesem Grunde ist für den Talmud jede weitere Diskussion über eine in der Schule aufgeworfene Frage überflüssig, sobald es sich herausstellt, daß sie schon in einer Baraita eine Lösung fand. Nun finden wir sehr oft, daß die vom Talmud behandelten Probleme in unseren halachischen Midraschim zu dem betreffenden Bibelvers besprochen werden, daß Kontroversen und Lehrsätze der Amoräer in unseren Midraschim im Namen von Tannaiten oder anonym überliefert sind. Die Frage liegt doch nahe: Warum weist der Talmud in solchen Fällen nicht auf unsere Midraschim hin? Gehörte so viel Erfindungsgeist dazu, bei den neuauftauchenden Fragen in den Kommentaren tannaitischen Ursprungs zur Thora nachsehen, ob nicht aus ihnen Aufschluß über die in Rede stehenden Themen zu holen wäre? Oder hat der Talmud in diesen Fällen zufällig keine Exemplare der Midraschim besessen? War ihm die Existenz unserer Midraschim bekannt, so mußte er alles daransetzen, um sich Exemplare von ihnen zu verschaffen, da der Inhalt dieser Bücher einen Wertmaßstab für die talmudischen Abhandlungen abgeben konnte. Darauf kann nur geantwortet werden: Der Talmud kannte unsere Midraschim nicht. Die von ihm erwähnten Sammlungen „Sifra" und „Sifre" sind mit unseren Midraschim gleichen Namens nicht identisch. Zwar sind viele Baraitot aus dem talmudischen Sifra und Sifre auch in unseren Midraschim enthalten. Die Bücher als solche waren aber dem Talmud nicht bekannt und sind infolgedessen von ihm nicht benutzt worden. Das Ergebnis, daß der Talmud unsere halachischen Midraschim nicht benutzt hat, kann auch auf folgendem Wege gewonnen werden. Der Talmud gibt sehr häufig als Quelle seiner Baraitot eine tannaitische Schule an, in der sie zuerst gelehrt wurden, oder auch einen amoräischen Tradenten, der sie vorgetragen oder gesammelt hat. Viele von diesen den verschiedenen Schulen und Tradenten zugeschriebenen Baraitot kommen in einem und demselben Midrasch vor. Der Talmud kann demnach mit seinen Quellenangaben nicht unsere Midraschim gemeint haben, da es nach dieser Annahme unerklärlich wäre, warum er denselben Midrasch bald der einen und bald der andern Schule zuschreibt. Der Talmud könnte beispielsweise unseren Sifre nicht bald als zur Schule R. Ismaels und bald als zur Schule R. Simons gehörig betrachten. Es müssen ihm also für seine Quellenangaben andere Baraitot zur Verfügung gestanden haben, die eindeutig bestimmt waren, während in unseren Miidraschim verschiedene Midraschim vereinigt sind* ohne daß die Herkunft der Baraitot angegeben wäre. Beweisen schon die talmudischen Quellenbezeichnungen, die auf Tannaitenschulen hinweisen, daß an den betreffenden Stellen unsere Midraschim weder gemeint sind noch benutzt wurden, so berechtigt der Umstand, daß vom Talmud auch

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