Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · 8 (1927) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2707513-2707522--314-2707884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 Die halachischen Midraschim nämlich der gleichen Bezeichnungen zum Ausdrucke bestimmter Regeln und Gedankengänge, Unterzieht man nun diese terminologischen Eigentümlichkeiten einer Prüfung, so ergibt sich, daß sich diejenigen Midraschim, die sich ihrem Inhalte nach als zusammengehörig erweisen, auch äußerlich durch ihren Sprachgebrauch von der anderen Midraschgruppe abheben. Freilich besitzen wir nicht die Urtypen unserer Midraschim, wie sie aus den Händen ihrer Schöpfer hervorgegangen sind. Abschreiber und Buchdrucker pflegten ganz besonders bei den ihnen geläufigen Kunstausdlrücken viel zu sündigen und Redewendungen, die ihren Unterlagen fremd waren, in sie hineinzuschmuggeln. Dennoch ist hier die Gefahr des Irrens — wie oben schon erklärt — nicht groß und ist es durch einen Vergleich der verschiedenen I^Lidraschim auch möglich, ihre charakteristische Terminologie festzustellen und die Fremdlkörper auszuscheiden. Dabei ergibt sich, daß es ganze Partien innerhalb der einzelnen Midraschim gibt, die nicht zu ihnen gehören, sondern einem Midrasch einer anderen Gruppe entlehnt sind. Es sind dies besonders: Sifra zu Lev. 8, 1—10, 7 (Milluim), 18, 1—6; 20, 6—21 (Arajot) und Sifre zu Deut. 6, 4—11, 28 (die Paragraphen 31—54). Diese Partien sind später aus anderen Midraschgruppen den betreffenden Midraschim einverleibt worden. Will man aber der Sache näher gehen und fragen, ob nicht von den Redaktoren selbst diese Stücke in ihre Sammlungen aufgenommen wurden, so muß man zuerst die Frage beantworten, woher die einheitliche Terminologie der Midraschim herrührt. Hat bereits in den Tannaitenschulen, in denen die Baraitot zuerst gelehrt wurden, eine ausgeprägte Terminologie geherrscht, odler wurde sie erst später von den Redaktoren ausgebildet und vereinheitlicht? Die Beantwortung dieser Fragen kann auf Grund folgender Erwägung geschehen. Die Annahme einer einheitlichen Terminologie in den Tannaitenschulen bedingt zweierlei Voraussetzungen. Erstens, daß die Redaktoren der Midraschim ihr gesamtes Material ausschließlich einer Schule entnommen haben, da sonst in unseren Midraschim Baraitot mit verschiedenen Terminologien, je nach ihrer Herkunft, parallel laufen müßten. Zweitens, daß die Baraitot einer bestimmten Schule überall, und nicht nur in unseren Midraschim, mit der gleichen Terminologie angeführt wurden. Beide Voraussetzungen erweisen sich aber bei näherer Prüfung als falsch. Denn weder sind — das wird allgemein zugegeben — unsere Midraschim ausschließlich aus einer Quelle geschöpft, noch bedienen sich die Baraitot der einzelnen Schulen im Talmud der gleichen Terminologie wie in den Midraschim. Es läßt sich kein annehmbarer Grund angeben, warum der Talmud dlie Stilisierung der ihm vorliegenden Baraitot abgeändert hätte. Anders bei den Redaktoren der Midraschim, denen wir in jedem Falle Abänderungen bei den Lehrsätzen zuschreiben müssen, die sie aus anderen Quellen als den Grundstock entlehnt haben. Sie mußten die ihnen geläufige Terminologie auch bei den Baraitot gebrauchen, die nicht ihrer Hauptquelle entstammten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.