Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
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Die halachischen Midraschim Es gibt aber einen andern Ausdruck Sukkot in der Thora, bei dem die Erklärung des R. Eliezer dem einfachen Wortlaut entsprechen würde. Wir meinen den Vers beim Laubhüttengebot, wo es heißt, daß die Errichtung von Laubhütten als Erinnerung dienen soll, daß ,,ich die Kinder Israel in Hütten habe v/ohnen lassen, als ich sie aus Ägypten geführt habe" (Lev. 23, 43). Zu dieser Stelle paßt sowohl die Erklärung des R. Eliezer, daß unter ,,Sukkot" gewöhnliche Hütten zu verstehen sind, als auch der Berasch des R. Akiba, daß Sukkot auf Ehrenwolken als Schutz hinweisen. In der Tat ist auch die Kontroverse zwischen R. Eliezer und R. Akiba zu diesem Bibelvers in Sifra z. St. [Emor Perek 17, 11) aufgeführt. Durch eine spätere Übertragung auf den Vers in Exodus ist die in Leviticus dem Wortlaut entsprechende Erklärung des R. Eliezer jedes Sinnes beraubt worden. Die Übertragungen von Erklärungen und Deutungen auf gleichlautende oder ähnliche Wörter dler Thora setzen uns nicht nur in den Stand, die Entwicklung der halachischen Exegese von den alten Midraschim bis zum Talmud zu verfolgen, sondern sie gewähren uns auch Einblick in die Quellen, aus denen die Redaktoren unserer Midraschim geschöpft haben. Denn die stereotypen Erklärungen, auf die wir innerhalb eines und desselben Midrasch stoßen, treffen wir sehr oft auch in anderen Midraschim zu anderen Büchern der Thora. Es ist ohne weiteres klar, daß Midraschim, die zum gleichen Schriftwort immer die gleiche Erklärung bieten, auf gleiche Quellen zurückgehen müssen. Aus dieser Erwägung heraus können wir zunächst die Midraschim in Gruppen einteilen, von denen eine jede im großen und ganzen auf gleiche Quellen zurückzuführen ist. Wir können aber noch weiter gehen und behaupten, daß Schrifterklärungen, die sich in sonst voneinander ganz verschiedenen Midraschim übereinstimmend finden, sehr alt sind, da sie schon den Quellen unserer Midraschim bekannt sein mußten. Damit soll aber keineswegs gesagt sein, daß sämtliche Parallelen, die in den Midraschim anzutreffen sind, alte Baraitot darstellen müssen. Denn wenn auch jede Midraschgruppe andere Quellen benutzte, so können sie auch hier und da gemeinsame Quellen gebraucht haben. Allein bei einer genauen Prüfung der übereinstimmenden Schrifterklärungen ergibt sich, daß sie entweder eine einfache Worterklärung darstellen oder einen dunklen Ausdruck betreffen, dessen Bedeutung überliefert werden mußte. In diesen Fällen liegt es auf der Hand, daß wir es mit alten Erklärungen zu tun haben, aus denen wir auch ersehen können, wie die alte tannaitische Exegese beschaffen war. Aus den anderen Parallelen der Midraschim aber können wir folgern, daß es Beziehungen zwischen allen Midraschim gibt, daß es also auch gemeinsam Quellen gab, die zum Teil erst durch verschiedene Media zu unseren Midraschim gelangt sind. Das Ergebnis bezüglich der Gruppierung der Midraschim, das wir auf Grund einer Untersuchung ihres Inhaltes gewonnen haben, wird durch die äußere Form derselben erhärtet. Nicht alle Midraschim bedienen sich