Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · 8 (1927) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2707513-2707522--306-2707876
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 Programm der Kommission für Statistik und Wirtschaftskunde denen man mit subalterner Zahlenhehandiung nicht weiter kommt, bei denen vielmehr ein streng methodisches Vorgehen erforderlich ist. Die bloße Erscheinung ist hier vielfach nur eben Schein, ein falsches Bild, von dem die Wirklichkeit verdeckt wird. Hier gilt es, die Träger der Erscheinung auf Herz und Nieren zu prüfen, ihre Relativität an dem Ganzen zu erkennen, von dlem sie einen Teil bilden. Herz und Nieren sind in unserem Falle die begriffliche Eindeutigkeit, die den ganzen Komplex beherrschen muß und die herzustellen, oft mit sehr erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist. Zur Erläuterung seien einige Beispiele genannt. Wenn wir der Kriminalstatistik des letzten, mit dem moralischen Verfall der Nachkriegszeit noch nicht behafteten Friedensjahres 1913 entnehmen, daß im Deutschen Reich unter 362 wegen Unterschlagung im Amte bestraften Personen sich auch nicht ein einziger Jude befand, können wir schon daraus schließen, daß es die JudJen mit der Verwaltung der ihnen anvertrauten Gelder ernster nehmen als die Nichtjudlen? Schon deswegen nicht, weil die Zahl der jüdischen öffentlichen Beamten mittleren Ranges dem Anteil der Juden an der Bevölkerung auch nicht annähernd entspricht und weil, selbst wenn es der Fall wäre, die nach Maßgabe dler Beteiligung der Nichtjuden an dem genannten Delikt für die Juden zu erwartende Zahl so klein wäre, nur aus so wenigen Einheiten bestände, daß selbst ihr gänzlicher Ausfall doch nur rein zufälligen Charakter hätte. Im übrigen würde, um zu einem einigermaßen sicheren Urteil über eine etwaige konfessionelle Differenzierung der Widerstandsfähigkeit der Beamten gegen Unterschlagung dler ihnen anvertrauten Gelder zu gelangen, noch gar nicht der Vergleich mit den überhaupt vorhandenen Beamten jeder Konfession ausreichen — deren Zahl überdies (tax nicht bekannt ist —, sondern es müßte noch tiefer geschürft werden bis zu den mit der Vereinnahmung öffentlicher Gelder betrauten Beamten — ein Beispiel für viele für ein bei sachgemäßer Behandlung der Statistik nur zu häufig als non liquet zu wertendes Ergebnis. Wenn aber unter 79 554 im gleichen Jahre wegen einfachen Diebstahls — eines an sich an andere Voraussetzungen als an die vorhandene strafmündige Bevölkerung dbch nicht gebundenen Delikts — verurteilten Personen sich nur 396 Juden, also nur % Prozent befanden, so wird man bei diesem Verbrechen sehr wohl auf eine gegenüber den Nichtjuden geringere Belastung der Juden schließen können, da für diese nach dem Bevölkerungsverhältnis etwa die doppelte Zahl von Bestraften zu erwarten gewesen wäre. Nun ein Beispiel sehr viel schwieriger zu entscheidender Fälle, bei denen die Herausschälung des eigentlich wirksamen Trägers erst durch Milieuerforschung, durch Abgrenzung ledliglich desjenigen Bodens gelingt, auf dem die za^enmäßig vorliegenden Erscheinungen überhaupt möglich sind. Wenn unter 18 308 Personen, die im gleichen Jahre 1913 im Deutschen Reiche wegen Zuwiderhandlungen gegen die Bestimungen über die Sonntagsruhe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.