Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2707513-2707522--307-2707877- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Programm der Kommission für Statistik und Wirtschaftskunde 5 und den Ladenschluß sich nicht weniger als 886 oder 48 Prozent Juden befanden, so ist das ein weit über ihren Bevölkerungsanteil hinausgehender Satz. Unwissenheit oder vorgefaßte judenfeindliche Meinung werden aus diesem für den vermeintlichen krassen Eigennutz der Juden besonders bezeichnenden „statistischen Ergebnis** eine neue Waffe zur moralischen Niederkämpfung dies Judentums schmieden. Der unbefangene Beobachter aber wird auf das Milieu zurückgehen, in dem derartige Delikte überhaupt möglich sind: auf die Selbständigen in Handel und Gewerbe, da ja nur sie mit den gesetzlichen Vorschriften über die Sonntagsruhe und den Ladenschluß in Konflikt geraten können. An diesen Selbständigen aber sind die Juden gleichfalls mit einem über ihren Bevölkerungsanteil weit hinausgehenden Satz beteiligt. Nach der nächst vorhergegangenen gewerblichen Betriebszählung vom 12. Juni 1907 belief er sich auf 3,5 Prozent, eine Ziffer, die sich mit der obengenannten von 4,8 Prozent schon eher verträgt. Nun könnte es aber leicht sein, daß an der Zahl der wegen der in Rede stehenden Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen über die Sonntagsruhe und den Ladenschluß bestraften Personen der Handel stärker beteilgt wäre, als seinem Anteil an den Selbständigen von Handel und Industrie entspricht und da bei der obengenannten Aufnahme der Anteil dler Juden an den Selbständigen des Handels 7,7 Prozent, der Industrie aber nur 1,4 Prozent beträgt, wäre es leicht möglich, ja ist es sogar wahrscheinlich, daß die Juden ebenso oder noch besser abschneiden, als« die Gesamtheit der Selbständigen in Kandlel und Industrie. Man sieht: Je nachdem wir nur das Äußerlich-Formale zur Geltung bringen oder den Kern, das Eigentlich-Konstitutionelle herausarbeiten, werden wir natürlich sehr verschiedene Ergebnisse erhalten, von denen doch nur eines das richtige sein kann. Welches, aber das richtige ist, darüber wird bei dem kein Zweifel bestehen, der frei von Bindungen dhrch vorgefaßte Meinung, Tendenz oder Sonderinteressen sich lediglich von dem Streben nach objektiver Wahrheit leiten läßt und dJie Befähigung und den Willen zum Aufbau auf logischer Basis besitzt. So werden wir das Schifflein der Statistik der Juden über mancherlei Klippen, von denen wir nur einige wenige Beispiel oben angegeben haben, mit äußerster Vorsicht steuern müssen, um es in dem Hafen gesicherter Feststellung des Tatsächlichen zu bergen. Das aber wird stets möglich sein, wenn wir die statistische Methodik mit wissenschaftlichem Geir.te erfüllen und, wo dies an dem Mangel der erforderlichen Grundlagen scheitert, uns nicht scheuen, ein non liquet auszusprechen. Dann und nur dann werden wir — wie es doch bloß eine Wahrheit gibt — auch zur statistischen Wahrheit durchdringen. Mit der Behandlung bevölkerungs statistischer Probleme wollen wir unsere Arbeit beginnen, weil sie es sind), die die Grundlage für alle