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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · 8 (1927) · p. Seite 3

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707522--305-2707875
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Programm der Kommission für Statistik nnri WSrisrJVtslniprip Vor d!er Mißachtung der Größenordnung der Zahlen muß aber gerade bei der Statistik der Juden, die doch nur einen kleinen Ausschnitt der Gesamtbevölkerung bilden, besonders gewarnt werden. Als ein erstes Problem der Statistik der Juden tritt uns die Frage nach ihrer Gesamtzahl entgegen. Wir wissen aber schon von vornherein, daß sie nur sehr annäherungsweise gelöst werden kann, dia doch selbst die Gesamtbevölkerung der Erde zur Zeit noch nicht angebbar ist, Auch heutzutage gibt es sogar Völker mit geschichtlicher Vergangenheit — man braucht nur an China zu erinnern —, die organischer, regelmäßig wiederkehrender Bestandsaufnahmen entbehren, und in der alten und in der neuen Welt sind weit ausgedehnte Gebiete vorhanden, die noch keines Zählers Fuß betreten hat. Die möglichst restlose Lösung unseres Problems wird noch auf lange Zeit hinaus eine Zukunftsaufgabe bilden, die übrigens dadurch erschwert wird, daß eine ganze Reihe von Staaten ,'eder Konfessionsstatistik durchaus ablehnend)gegenübersteht, wobei es sich um nichts weniger als etwa kulturell rückständige Länder handelt. Die Religionszugehörigkeit wird in Großbritannien, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal, also beinahe in ganz Westeuropa weder bei den Aufnahmen des Standes, noch bei den Feststellungen über die Bewegung der Bevölkerung erfragt, und auch in den Vereinigten Staaten bleibt sie bei der Volkszählung unberücksichtigt. Und kann man nicht wenigstens theoretisch den Standpunkt einnehmen, daß Leben und Wirken und Sterben der Menschen mit der bloßen Religionszugehörigkeit nichts zu tun hat, wenn man nicht etwa auf die Jagd auf rassenbiologische Entdeckungen auszieht, bei denen doch aber auch die politische und soziale Entwicklung und die gleichfalls Jahrhunderte hindurch wirksamen Anpassungskräfte zu Worte kommen müßten? Wahrhafte Demokratie fragt nicht nach der Glaubenszugehörigkeit, und auch in der Staatspolitik sollte sie kein unterscheidendes Merkmal sein. Und auch unserer, diese Statistik von nun an kultivierenden Akademie liegt jedes judenpolitische Moment vollkommen fern. Was wir wollen, ist lediglich wissenschaftliches Erkennen, und ein solches liegt ja auch nur im Rahmen der Akademie, dfie nichts anderes als Forschungstätigkeit kennt. So werden wir uns denn fürs erste mit der Statistik der deutschen Judcnheit zu befassen haben. Wir werden sie in ihrer gegenwärtigen Verteilung auf die deutschen Länder, dSe Provinzen, die Großstädte darzustellen und auch ihrer geschichtlichen Entstehung nach Möglichkeit nachzugehen haben. Das ist ruhende Geschichte, düe Statik in der Statistik. Der Statik aber tritt die Dynamik gegenüber. Wie wirken sich die als gegeben gesetzten Gesamtheiten im Spiel der Kräfte aus. die das Leben ausmachen? Wie stellt sich zahlenmäßig die Erneuerung der Bevölkerung, ihre Regenerativkraft dar, wie fügen sich die Einzelschicksale der Menschen, gesehen von demographischen und sozia1en Standpunkten, zu einem Gesamtbilde des Ablaufs des Lebens aneinander? Das aber sind Probleme, bei l*

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