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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · 8 (1927) · p. Seite 2

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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2 Programm der Kommission für Statistik und Wirtsrbaftslumde tragen. Da erscheint es denn geboten, erst einmal über den Sinn und die Grenzen statistischen Erkennens Klarheit zu schaffen. Was die Statistik ihrem Begriffe nach ist, darüber gibt es so viele Festsetzungen, daß man von einer Statistik ihrer Definitionen reden könnte, Ist sie überhaupt eine Wissenschaft oder bezeichnet sie nur eine Methode? Eme in früheren Jahrzehnten vielbeliebte Streitfrage. Mit so subtilen Unterscheidungen hat sich der Volksmund freilich nicht abgegeben. Derb und fest glaubt der den Kern der Sache zu treffen, wenn er ein meist recht ungünstiges Werturteil in wenige Worte zusammenfaßt: die Statistik ist eine feile Dirne, mit ihr läßt sich alles beweisen, sie ist die Lüge in Zahlen. Aber hat nicht der gute Benzenberg schon vor hundert Jahren gesagt; Zahlen entscheiden? Und ist nicht die Statistik schon in den ältesten Zeiten, von den Chinesen, Persern, Aegyptern, Judien, Griechen und Römern zu wichtigen staatspolitischen Zwecken herangezogen worden? Und nimmt sie nicht gerade in der Gegenwart einen von Tag zu Tag größeren Raum ein in der Verwaltung wie in der Wissenschaft und ganz neuerdings auch in der Wirtschaft? So dürfte sie doch nicht von ganz so zweifelhaftem Charakter und besser als ihr Ruf sein. Was aber ist sie denn ihrem eigentlichen Wesen und Wollen nach? Sie ist Feststellung der Tatsachen nach Zahl und Maß durch Massenbeobachtung. Die Sprache, die sie spricht, ist also die der Zahlen, Die Zahl aber ist mchts anderes als ein Vielfaches der Einheit. Die Statistik abstrahiert von federn Gegenstand, den sie in den Kreis ihrer Beobachtung zieht, nur seine Existenz schlechtweg, nur eben die Einheit, die sie nach den verschiedenen Arten, Formen und Richtungen ihrer Erscheinung, also nach ihren Merkmalen untersucht. Je größer die Zahl, d)as Vielfache der Einheit ist, desto eher ist in ihr das Spiel des Zufalls ausgeschaltet und der muß ausgeschaltet sein, wenn sie Wirklichkeitswert besitzen soll, wenn sie nicht zu Täuschungen Anlaß geben, sondern zur Wahrheit führen soll. Wenn in einer Gesellschaft von sechs Juden einer Millionär ist, so soll man nicht gleich fertig mit der Feststellung sein, daß jeder sechste Jude Millionär ist. Aus kleinen Zahlen kann man keine großen Schlüsse ziehen. Wer dies tut, hat sich seinen Mißerfolg selbst zuzuschreiben, den fernzuhalten die Stat;stik sich eben auf Massenbeobachtung einzustellen sucht. Der Physiologe mag an einem einzigen Meerschweinchen wichtige biologische Feststellungen machen können, der Statistiker muß ein möglichst weit ausgedehntes Beobachtungsfeld vor sich haben, wenn seine Ergebnisse nicht bloß als Spiel launenhaften Zufalls gewertet werden sollen. Hat er ein solches Beobachtungsfeld nicht, so liegt eben nur eine einfache, jede Urteilsbildung ausschließende Registrierung, aber keine Statistik vor. Auf den Mangel dieser Unterscheidung, dem man nur zu häufig begegnet, ist zu einem erheblichen Teil das Mißtrauen gegen die Statistik zurückzuführen, von dessen Ausdrucksformen wir einige besonders üppige Blüten oben angegeben haben. 1 Stadtu. UnW.-Bibl. 1 Frankfurt/Main_J

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