Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 37)
- Language
- German
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Joseph Süß Oppenheimer 37 oder, um in der damaligen Sprache zu reden, Admodiation der Administration, beschäftigte damals allgemein die Gemüter. Die Zeit sah in der Pacht oder Appalt der „Kameraleinnahmequellender Domänen, Regalien, Monopole und indirekten Abgaben aller Art, vornehmlich im pachtmäßigen Bezugs- und Verkaufsrecht von örtlichen oder allgemein monopolistischen Produkten des Staates'4 die beste Wirtschaftsform, In Oesterreich war der größte Teil der Staatsgüter bereits verpachtet, in Preußen hatten die Kämpfe um die Erb- oder Zeitpacht der Domänen zu Ministersturz und viel jährigen Diskussionen geführt, bis unter Friedrich Wilhelm I. an Stelle des Arrendesystems endgültig die Generalpacht getreten war. Auch Süß überzeugte den Herzog, daß ,,der Ertrag der Admodiation den der Selbstadministration um ein Namhaftes übersteige, daß die Admodiation die Güter in bessere Kultur bringe, als wenn man bei Selbstadministration einen Knecht oder Mayer hinsetze, welcher sich nicht viel darum kümmerte, ob die Güther in Aufnahme oder Abgang kommen"', Neben den Einnahmequellen aus Regalien und Domänen, Zöllen und Mauten wurden damals aber auch alle nur möglichen Gegenstände, wie Kaffee und Salz, Tabak und Wein, selbst Musik- und Tanzimpost verpachtet, in der Ueberzeugung, daß die Pacht ,,für alle Einnahmequellen, die einen bedeutenden, jedoch detailweise einfließenden Gesamtertrag liefern, zur Vermeidung weitläufiger Administration und zahlreicher Unterschleife die beste Wirtschaft sichere". Die Forschung hat den Zusammenhang zwischen Monopolbildung und staatlicher Finanzpolitik, zwischen „kaufmännischem Speculationsgelüste und staatlichem Geldbedürfnis" schon öfters nachgewiesen, wofür auch die Finanz- und Wirtschaftspolitik des Jud Süß ein treffendes Beispiel liefert. Als Anhänger der merkantilistischen Theorien, aber auch zur Abwehr der drohenden Geldnot, zum Gewinn des Pachtzinses für die Zwecke der Krone führte Süß in Württemberg das Salz-, das Leder-, das Wein- und das Tabakmonopol ein. Die schon unter Eberhard Ludwig begonnene Einrichtung eines herzoglichen Tabakhandels und Fabrikationsmonopols, die die Tabakkultur fördern sollte und zur Gründung einer Fabrik in Stuttgart führte, wurde nun energisch fortgesetzt und einigen Pfälzer Schutzjuden die Tabakadmodiation, d. h. der alleinige Handel mit Tabak und der Bau einer Tabakfabrik in Ludwigsburg gestattet. Der den Kommunen seit Jahrhunderten in allen Verträgen feierlicK konzedierte freie Salzhandel wurde gleichfalls verstaatlicht und admodiationsweise einem Juden namens Noe überlassen, Das Ledermonopol erhielt ein gewisser Maram Kahn, während Süß sich selbst die Pacht einer Lotterie, wohl der ersten in Deutschland, und die Admodiation von Portechaisen und Kaffeehäusern, des Pharao-, Basset- und Würfelspiels ausbedang.