Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
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34 Joseph Süß Oppeniheiimer die Gardeschwadron von berittenen Edelleuten, der Bau von Ludwigsburgf die Verschwendung der Graeveniz hatten ungeheure Summen verschlungen» Das Kameralwesen war so zugrunde gerichtet, daß man, wie Süß in seiner Defensionsschrift äußerte, „öfters Serenissimo die Taffei nicht hatt decken, zu geschweigen den herrschaftlichen Bedienten die Besoldungen abreichen können". Die Domänen waren übermäßig verschuldet, zum Teil veräußert» die Finanzen verwirrt, die Kassen in Unordnung, Gehälter wurden überhaupt nicht mehr bezahlt. Carl Alexander betrachtete es als seine Hauptaufgabe, dieser Mißwirtschaft zu steuern, die große Schuldenlast abzutragen, dem fehlenden Kredit wieder aufzuhelfen, die Ausgaben nach den Einnahmen zu kommensurieren, die veräußerten herrschaftlichen Güter und Gefälle wiederzuerwerben, das Kammergut zu erweitern und damit „der Krone eine feste finanzielle Basis zu schaffen". Durchdrungen von den Ideen der Merkantilisten wollte er die nocK mittelalterliche Wirtschaft seines Landes überwinden, sie durch die moderne Geldwirtschaft ersetzen, in jseinem noch fast bäuerischen Staate Manufakturen und Fabriken gründen und Handelsverträge mit den Nachbarn schließen, wie er es von Oesterreich her kannte, wie es eben der Kurfürst von Bayern und Friedrich Wilhelm von Preußen versuchten. Zu diesen Reformen aber war eines bitter nötig: Geld. Gerade dies war aber für einen württembergischen Herrscher am schwersten zu erlangen. Denn es entsprach der mittelalterlich dualistischen Grundlage des württembergischen Staates, daß auch das Finanzwesen völlig zwiespältig und dualistisch war. Die Haupteinnahmen des Staates und des Hofes (Hof- und Staatsverwaltung waren noch nicht getrennt) bildeten nur der Ertrag aus Domänen und Regalien. Er allein hatte die laufenden Ausgaben für Hofstaat und Zivilverwaltung zu bestreiten, während die eigentlichen Steuern in die Kasse der Stände flössen. „Den Satz, daß die württembergischen Regenten mit ihrem Kammergut auskommen müssen, hat man mit Recht als die ganze württembergische Verfassung bezeichnet." Daß die Landschaft den Reformplänen des neuen Herzogs Verständnis entgegenbringen würde, war um so weniger zu erwarten, als das stockprotestantische Land dem Katholiken, dem Renegaten und Ketzer das größte Mißtrauen entgegenbrachte. Die Landschaft hatte sogar den Versuch gemacht, durcK eine häßliche Intrige kurz vor dem Tode des alten Herzogs die Thronfolge dem jüngeren Bruder Carl Alexanders zu übertragen, und diese Vorgänge hatten die historische Feindschaft zwischen den Herzögen und den Landständen zu einer persönlichen und unerbittlichen gesteigert. Ebenso wenig war daran zu denken, daß die Geheimen Räte sich auf die Seite des neuerungssüchtigen Fürsten stellen würden. Schon gleich nach seinem Regierungsantritt klagte Carl Alexander, caß die Landstände mit seinen Räten konspirierten, daß seine Verordnungen*