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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 31

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
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Joseph Süß Oppedhekner 31 klug Ratschläge und Erklärungen, in denen eine feine Ueberlegenheit unmerklich fast hindurchschimmert. Im allgemeinen aber repräsentiert er in jener Zeit mehr den Typus des großen kaufmännischen Unternehmers als des politischen Ratgebers. Er reist dauernd umher, taucht bald in Stuttgart, bald in Heidelberg oder Frankfurt, bald in Wien oder Belgrad auf. Er ist immer in Eile und immer in Unruhe. Er hetzt Pferde und Diener, versendet Estafetten und Eilbriefe, macht mit Fürsten und Adligen große Geldgeschäfte, übernimmt Kriegs- und Munitionslieferungen, stellt dem einen Wechsel aus und kauft vom andern den Wein und das Korn, er besitzt die kostbarsten und seltsamsten Juwelen, die schönsten Spitzen, den herrlichsten Samt. Er ist Käufer und Verkäufer, Herr und Diener, Händler und Unternehmer zugleich. Er ist der Träger von hundert Geheimnissen, die seinem Gesicht die wissende Verschlossenheit, seinem Wesen die rätselhafte Undurchdringlichkeit geben. Die Verhältnisse ändern sich nicht, als Carl Alexander wider Erwarten durch den frühzeitigen Tod des Erbprinzen und den raschen Heimgang des Herzogs Eberhard Ludwig im Jahre 1733 die Regierung in Württemberg antrat. Nur daß er Süß bei Ausbruch des polnisch-französischen Krieges, den ^r als Feldmarschall mitmachte, die gesamte Munitions- und Heereslieferung des schwäbischen Kreises übertrug. Auch die gleichzeitige Ernennung zum Residenten in Frankfurt am Main im Januar 1734 läßt nicht auf eine amtliche Tätigkeit schließen, wiewohl Süß dem württembergischen Geheimen Rate vereidigt wurde. Auch Isaak Nathan in Ansbach, Aaron Beer in der Pfalz, Bernd Lehmann in Dresden haben den Residententitel geführt. Der Titel selbst hat viele Wandlungen erfahren vom Gesandten niederen Grades im 16. und 17. bis zur diplomatischen Würde dritter Ordnung im 18. Jahrhundert. Er diente aber auch als Titel, den reiche Bürger als Gunstbezeugung oder , gegen Geld verliehen bekamen und der ihnen eine höhere gesellschaftliche Stellung und Befreiimg von bürgerlichen Lasten sicherte. Sie hatten dann meist keine diplomatischen Geschäfte zu erfüllen, sondern waren nur mit dem Ankauf von Waren und Kunstgegenständen und der Vermittlung von Nachrichten und Tagesbegebenheiten beauftragt. Man hat deshalb ihre Tätigkeit mit dem „Wirkungskreise der heutigen Zeitungskorrespondenten** verglichen. In dieser Eigenschaft wird Süß die Korrespondenz zu Frankfurt a.M. aufgetragen, d. h. er soll von allem, „so zu Frankfurth und der Orthen Notables passiret und der von andern Orthen daselbst einläuft und zu erkundigen ist, fleißigen Bericht erstatten. Er soll ferner alles, was ihm vom Herzog oder dessen Regierung particulariter aufgetragen werden wird, williglich übernehmen und mit Eifer verrichten."

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