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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 30

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 30 (sequence 30)
Language
German
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IRI
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30 Joseph Süß Oppenheimer selbst Nachkommenschaft — war ihm das übliche Los der Agnaten zuteil geworden. Er trat, fast noch ein Kind, in österreichischen Dienst, focht unter dem Prinzen Eugen gegen die Türken, im spanischen Erbfolgekrieg unter Ludwig von Baden und Marlborough in den Niederlanden, am Rhein, in Süddeutschland und in Italien. Seine Heldentaten gewannen ihm die Würde eines kaiserlichen Generalfeldmarschalls und schließlich die kaiserliche Statthalterschaft des neueroberten Serbiens und Belgrads. Er war ein Mann von impulsivem und raschem Wesen, kernig, kräftig und unverbraucht, als der „Bayard Schwabens", „der mit Eugen Türken schlug und Franken", im Lied gefeiert, ein „martialischer Herr", wie Süß ihn einmal nennt, seinem großen Vorbild, dem Prinzen Eugen, wie ein germanischer Gefolgsmann der alten Zeit, treu und leidenschaftlich ergeben. Er war im Jahre 1712 in Wien zum Katholizismus übergetreten, wie er selbst in seinem Testament schreibt „in gründlicher Erkanntnis der untrüglichen Wahrheiten des christ-katholischen Glaubens", in Wirklichkeit mehr, um seine Beziehungen zum Hause Habsburg zu festigen und um die reiche katholische Prinzessin von Thum und Taxis freien zu können. Denn die militärischen Ehrensteilen, auch die Verwaltung Serbiens brachten so wenig Gewinn, daß ein Zeitgenosse ihm als Jahreseinkommen kaum 15 000 fl. zurechnete. Er hatte deshalb schon in Wien mit Samson Wertheimer Geldgeschäfte gemacht, als er Süß kennenlernte und ihn zu seinem Schatullverwalter ernannte. Das Faktorenpatent vom 14. November 1732, das Süß zum Kammeragenten des Prinzen und der Prinzessin erklärte, bedeutete für seine Laufbahn nichts wesentlich Neues. Aehnlich wie kurze Zeit später Mayer Amschel Rothschild dem Erbprinzen von Hessen, streckt er dem Prinzen Geldsummen vor, liefert ihm Juwelen, verschafft der Prinzessin Seide aus Frankreich, Handschuhe aus Eisenach, Faden und Silber für das gestickte Kleid, Knöpfe und Schnallen, Ringe und Brillanten. Er löst von ihr versetzte Pfandstücke aus und bezahlt den Arzt, der bei ihrer Niederkunft assistiert, Er berichtet nach Belgrad, was in Stuttgart, in Mannheim, in Frankfurt vor sich geht, von fürstlichen Heiraten und Versorgung württembergischer Mätressen, von komplizierten Geldgeschäften und höfischen Intrigen; er wird hie und da, in heimlicher Mission, zu vertraulicher Besprechimg an den Hof nach Darmstadt oder zum Bischof nach Bamberg und Würzburg gesandt. Der Prinz rühmt wiederholt und laut seine Kapazität und Klugheit, seine Konduite, Verstand und angeborene Aktivität. Er findet, schreibt er an den Erbprinzen von Hessen, „diesen Mann als ein solch Subjectum, dessen sich Leuthe Unseresgleichen mit gutem Vortheil bedienen können". In seinen Briefen an Süß gibt er sich vertraulich, unbekümmert, persönlich und warm. Die Antwortschreiben des Süß, in einem flüssigen, gefälligen Deutsch, sind immer ehrerbietig, aber nie unterwürfig und kriechend gehalten. Er fällt in der ihm eigenen ironischspöttischen Art Urteile über Personen und Verhältnisse, er gibt vorsichtig und

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