Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
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Joseph Süß OppenÜieimer 27 mudischer Stellen und agadischer Bemerkungen oder die Vorgänge innerhalb ihrer Gemeinde, die Wahlen der Rabbiner, der Vorsteher, der Steuerrezeptoren und der gute oder schlechte Ausgang der Leipziger, der Frankfurter, der Breslauer Messen, Doch brachte gerade damals die wirtschaftliche Berührung mit der Umwelt es mit sich, daß jüdische Kinder, wenn auch noch selten, deutsche Schulen besuchten oder sich von deutschen Lehrern im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichten ließen, daß einzelne sogar auf deutschen Hochschulen studierten. Es wäre gerade für die Erkenntnis jener noch beinahe unerforschten Uebergangszeit der jüdischen Geschichte ungemein wichtig, wenn wir über die Erziehung des Jud Süß Näheres wüßten, wenn man der Frage nachgehen könnte, wie weit die jüdischen, wie weit die deutschen Bildungselemente in ihm wirksam geworden sind. Leider schweigen alle Quellen über seine Kindheit und Jugend. Sie erzählen nur, daß er der Sohn eines der angeseheneren Heidelberger Juden war, der als Steuerrezeptor der Pfälzer Landjudenschaft des öfteren mit der Regierung verhandelte und der als Vertrauensmann der Gemeinde von festem und klugem Wollen gewesen sein muß. Er war ein Glied jener seit Jahrhunderten bekannten reichen und ausgebreiteten Frankfurter Oppenheimer, die 1531 aus Heidelberg in Frankfurt einwanderten und die schon am Ende dieses Jahrhunderts als die höchsten Steuerträger und die angesehensten Großkaufleute gegolten hatten. Ihr Stolz war der berühmte Wiener Hof jude Samuel Oppenheimer, der uFugger seiner Zeit", und der große mährische Landrabbiner David Oppenheim, dessen Bibliothek eine Sehenswürdigkeit des Jahrhunderts war. Die Familienchronik erzählt aber auch von unruhigen Abenteurern, die die feste Tradition sprengten und aus dem Ghetto in die freiere Umwelt flüchteten, freilich um dann reumütig immer wieder zur alten, verlassenen Mutter zurückzukehren. Alle drei Elemente sind in Süß wiederzufinden. Die nüchterne Berechnung des Kaufmanns, der sachlich kühl wägt und wagt, der Hunger nach Macht und Glanz und Reichtum und Pracht, die Sucht, den Gegner rücksichtslos zu verdrängen, die Lust des Abenteurers an der ungebundenen Fülle und dem tiefen, rauschenden Strom des Lebens, aber auch die Sehnsucht des Gelehrten nach der geistigen Durchdringung der Welt, nach Lösung der letzten Fragen des Seins.---- ,,Die Eltern wollten ihn*, wie es heißt, ,,zu einem Ausbund eines Juden erziehen und ihm Lust am Studieren beibringen. Denn was sein Gedächtnis, Verstand und Judicium anlangte, so waren solche bei ihm unverbesserlich und unvergleichlich, daß sich auch selbsten unser liebes christliches Volk darüber verwunderte und öfter zu ihm sagte: Es wäre ewig schade, daß er nicht von christlichen Eltern geboren und alsdann etwas Rechtes studieret, denn es hätte