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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 25

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707524--278-2707847
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Joseph Süß Oppenäicimer 25 vollen Repräsentanten des Barocks steckt etwas anderes. Da verbirgt sich ein Staatsmann von großem Format und Schwung, wohl der bedeutendste politische jüdische Typus vor der Emanzipation. Da offenbart sich ein klarer Wirtschaftspolitiker von festen Zielen und kühnen Gedanken, ein Vertreter des neuen europäischen, revolutionären Geistes. Da entdeckt man aber auch einen der interessantesten menschlichen Typen der jüdischen Welt: einen Flüchtling des Ghetto, einen Faszinierten der deutschen Kultur und damit einen der ersten tragischen Erleider des deutsch-jüdischen Konflikts. Im September des Jahres 1738 hat ein Kriminalgericht zu Stuttgart den Geheimen Finanzrat Joseph Süß Oppenheimer zum Tode verurteilt und ihn wenige Tage darauf am Galgen aufgehängt. Der Prozeß hatte viele Monate gedauert, man hatte einen unerhörten Zeugenaufwand aufgeboten, vom kleinsten Kammerdiener des Süß bis zum höchsten herzoglichen Minister, vom jüdischen Koch bis zum angesehenen Hoffaktor, von der anerkannten Mätresse bis zur gräflichen Freundin. Man hatte alle Privatbriefe und Staatserlasse, Wirtschaftsbücher und Rechnungen, Kabmettscrdres und Dekrete durchstöbert und aus diesen ein riesiges Anklagematerial konstruiert, das darin gipfelte, der Geh. Finanzienrat sei der böse Geist des verstorbenen Herzogs Carl Alexander gewesen, er habe ihn bezaubert und zu seinem willenlosen Werkzeug gemacht, er habe das Land durch tolle Machinationen ausgesogen und geschwächt, die Verfassung gestürzt, neue Ministerien und Aemter gegründet, sich aller Kassen zu eigenem Vorteil bemächtigt, den Dienstkauf, den Amtshandel, Bestechlichkeit der Justiz eingeführt und gegen die Privilegien des Landes Tabak-, Salz-, Leder- und Weinadmodiationen errichtet. Als Münzmeister habe er die Valuta geschädigt, als Andersgläubiger die im Herzogtum stabilierte Religion gekränkt, durch unsittlichen Lebenswandel dem Volke ein böses und verderbliches Beispiel gegeben. Gegen das Urteil hat sich nur ein einziger, ein Tübinger Staatsrechtslehrer, gewandt. Sonst hat die Mitwelt die Sensation des Tages, das Glück und Ende eines aus dunkeln Schichten zu höchsten Ehren gekommenen Emporkömmlings, mit Freuden annektiert. Die Geschichte selbst schwieg bis zum heutigen Tage. Die Biographie über den Jud Süß, die das Forschungsinstitut der Akademie in kurzer Zeit veröffentlichen wird, möchte nicht eine Ehrenrettung sein. Sie möchte auch nicht den vielgelästerten Namen mit der Gloriole eines unschuldig für seine Ueberzeugung gestorbenen Helden umkleiden. Sie möchte nur sein Wirken und seine Persönlichkeit aus seiner Zeit heraus erklären, was freilich dazu führen wird, ein großes Unrecht der Weltgeschichte aufzudecken. Denn Süß fiel nicht als das Opfer seines eigenen, bösen, unergründlichen Dämons. Er fiel als das Opfer einer neuen revolutionären Staats- und Wirtschaftsauffassung, gegen die sich die alten, legitimen Mächte zuerst erbittert, dann siegreich wehrten. Sein Judesein war nicht sein Schicksal. Auch

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