Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
…/2707513-2707524--276-2707845- Visual Library
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Joseph Süß OppenJieimer 23 Joseph Süß Oppenheimer. Von Selma Stern. Die Arbeit, über die hier ein einleitender Bericht gegeben wird, ist aus einem größeren Zusammenhang erwachsen: aus Studien, die der dem 17. und 18, Jahrhundert in Deutschland eigentümlichen Erscheinung der jüdischen Hoffaktoren gewidmet sind. Es handelt sich bei diesen Studien nicht um das Persönliche. Im Vordergrund stehen nicht die biographisch und psychologisch reizvollen Menschen, die durch Größe des Willens und des Erfolges, durch Geld und Geltung, durch jähen Wechsel von Aufstieg und Fall die Phantasie beschäftigen. Es handelt sich vielmehr darum, die Entwicklungslinie des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und staatsbürgerlichen Aufstieges einzelner Juden zu zeichnen, die sich aufs engste und innerlichste verbindet mit der Entwicklungslinie des Aufstiegs der deutschen Staaten von politisch unentwickelten patrimonialen Staatskörpern zu modernen staatlichen Rechts- und Wirtschaftskörpern, So mancher jüdische Finanzmann, dessen Vorteil sich mit dem Vorteil des Fürsten und seines Staates deckt, steht in vorderster Reihe der fürstlichen Räte, die in schwerem Kampfe gegen die beengten landständischen Verhältnisse dem neuen Staate den Weg bereiteten. Aber nicht nur von der staatlichen und wirtschaftlichen Seite her verdient das Problem der Hoffaktoren Interesse und Beachtung. Sie sind gleichzeitig typische Erscheinungen der gesamt]üdischen Entwicklung. Der gemeinsame Generalnenner ist das Problem des Hineinwachsens der Juden in die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Staatsbürgerschaft, die politische Mitbestimmung, in das staatsbürgerliche Pflicht- und Verantwortungsgefühl, in die deutsche Kultur. Sie sind in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, rechtlicher und politischer Beziehung die eigentlichen Vorläufer der Emanzipation, deren Vor- und Frühstufe ihre Geschichte darstellt. Davon wird später im „Korrespondenzblatt'4 ausführlich zu reden sein. Hier soll nur von ihrer fesselndsten und eigenwilligsten Erscheinung, dem württembergischen Hoffaktor Joseph Süß Oppenheimer, berichtet werden, weil von seinem Leben ein solcher Reiz ausging, daß man ihn nicht nur als rechnendes und wirtschaftendes Hirn, sondern in der ganzen Fülle seiner Lebensäußerungen verstehen möchte. Nicht nur als Hoffaktor, sondern — das Wort ist nicht zu groß für ihn — als Staatsmann und als Träger einer geistighöfischen Kultur. Darum soll der größeren wirtschaftlich-sozialen und verfassungsgeschichtlichen Arbeit der Einzelfall des Jud Süß in biographischer Entwicklung der Persönlichkeit und ihrer Schicksale vorangehen.