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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 20

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 Zur Bibelwissenschaft Spinozas und seiner Vorläufer Die Lehre Servets, die sich da Costa zu eigen macht, besagt, daß die Seele (der Lebensgeist) sich erzeugt durch die Verbindung der dem Herzen von der Lunge aus zugeführten, eingeatmeten Luft mit dem dem Herzen von der Leber aus zugeführten, feinsten, dünnsten Blut, Der Lebensgeist strebt, je feiner er wird, um so mehr in die Höhe, dem Gehirn zu, woselbst er zum seelischen Geist (spiritus animalis) verarbeitet wird. In Atem, Blut, Lebensgeist und Seele wirkt also eine und dieselbe Kraft,1) Ebenso wie die Seelen der Tiere pflanzen sich die Seelen der Menschen durch Zeugung fort.2) Hieraus folgt dann mit Notwendigkeit die Behauptung, daß die Seele sterblich ist, 50 lehrt auch die Schrift: Grab und Hölle sind ihr dasselbe. Zahlreiche Stellen sprechen von der Kürze und Nichtigkeit, vor allem aber von der radikalen Hoffnungslosigkeit des menschlichen Lebens. Servet schränkt die- *) Servet: Christianisrni Restitutio 1553 p. 169: In his omnibus est unius Spiritus et lucis Dei energia. — p. 170: Hinc dicitur anima esse in sanguine, et anima ipsa sanguis, . . . ut docet ipse Deus genes. 9. Levit. 17 et Deut. 12. — p. 178: Ecce totam animae rationem, et quare anima omnis carnis in sanguine sit, et anima ipsa sianguis sit, ut ait Deus. Nam afflante Deo, inspirata per os et narcs, in cor et cerebrum ipsius Adae, et natorum eius, illa caelestis Spiritus aura, sive adealis scintilla, et spiritali Uli sanguineae materiae intus essentialiter iuneta, facta est in eius visceribus anima. Gen. 2. Esa. 57, Ezech. 37 et Zacha. 12. — p. 179: . . . Idipsum probat litera Geneseos. Nam non simpliciter dicitur halitus ille Dei /esse anima: sed inspirato illo halitu facta est intusi anima vivens; — p. 216: Nisi haec vis, ac eliciendae et producendae animae virtus elementis inesset, non dixisset Deus, Producant terra et aqua animalia. — Da Costa 65: „Die menschliche Seele also, sagen wir, ist und heißt der Lebensgeist, mit dem der Mensch lebt, welcher Lebensgeist im Blute ist, . . . Demgemäß ist die Seele des Viehs sein geisterfülltes Blut, wie das Gesetz besagt, und darin besteht und wohnt eben die Seele," — 76: Gen. 2,7 beweist, ,,daß die Tiere denselben Lebensgeist haben wie der Mensch, denn bei ihrer Schöpfung sagte Gott: die Erde bringe hervor lebendige Wesen, und nachher bei der Schöpfung des Menschen, der schon mit dem Lebensgeist beseelt war, den er ihnen einblies: es wurde der Mensch ein lebendiges Wesen, so daß er dasselbe Wort an der einen Stelle wie an der anderen gebraucht, ..." — 77: „Wenn Adam lebendig gewesen wäre, als Gott ihm den Lebensgeist eingab, dann könnten wir sagen, dieser Geist wäre etwas vom tierischen Geist Geschiedenes und Getrenntes, da ja Adam schon lebte. Adam aber bewegte sich nicht, bevor der Lebensgeist in ihn einging; folglich war der Lebensgeist, der in Adam einging, die tierische Seele, und eben diese tierische Seele war die vernunftbegabte Seele, und alles ist das gleiche, derart, daß in dem Augenblick, da in den Menschen die tierische Seele einging, in ihm auch Vernunft und Ueberlegung ist, was man eben vernunftbegabte Seele nennt." — Auf Dt. 12,23 und Levit 17,14 beruft sich übrigens auch Descartes für seine Lehre von den Tierseelen; s.Gouhier La pensee religieuse de Descartes 1924 p. 225. 2) Servet 179: Ex semine manifeste eliciuntur animaintium aliorum animae, ac etiam humanae, accedenti ipsi homini divinae mentis halitu, , , . — 260: 51 constat brutorum animas elici ex semine, et nobis esse cum eis plurima communia, constabit quoque nostras ex semine quodammodo elici. — Da Costa 65: „Es ist sonnenklar, daß der Mensch durch natürliche Zeugung die Seele eines anderen Menschen erzeugt, auf die gleiche Weise, wie ein Tier die Seele eines anderen ihm ähnlichen Tieres erzeugt, ..." — 66: „. . . die göttliche Ordnung und Einrichtung, die kraft göttlichen Wortes mittels des Samens in jedes einzelne der Geschöpfe alle setzt: sie zeugen ihresgleichen und so erhalten sich ihre Arten und Yennehren sich."

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