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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 19

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707524--272-2707841
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Zur Ribelwissenschaft Spinozas und seiner Vorläufer 19 gegen Lüge und Knechtschaft; die Ehre verbietet es, diesem Kampf auszuweichen, was zwar nützlich, aber schändlich wäre (115 ff.). Aber da Costa beruft sich für seine Religionskritik, für seine Kritik des Ewigkeitsgedankens nicht nur auf die Gewagtheit und Furchtbarkeit (oder auch Bosheit) dieses Gedankens, sondern ebensosehr auf Vernunft und Schrift. Er stellt es selber so dar, als ob er allererst infolge der Unterwerfung unter die Schrift zur Leugnung der Unsterblichkeit gekommen wäre: Post caeptum opus (sc. Studium der Bibel) a c c i d i t etiam ... ut . . . accederem sententiae illorum, qui legis veteris praemium et poenam definiunt temporalem, et de altera vita et immortalitate animorum minime cogitant, ... (108). Dem widerspricht aber, daß da Costa zu allererst an den herkömmlichen Lehren von einem anderen Leben Anstoß nahm. Da Costa möchte seinen Weg von der unvernünftigsten Religion bis hin zum unverhüllten Epikureertum als allein durch Vernunft und Schrift bestimmt erscheinen lassen. Gegenüber dem Epikureischen Motiv ist da Costas Bibel-Radikalismus sowohl wie sein Rationalismus sekundär; allerdings stellen diese beiden Tendenzen eine, übrigens einheitliche, aus jenem Motiv nicht einfach herleitbare Instanz der Religionskritik dar. Da Costa sieht sich also nicht nur durch das Epikureische Motiv, sondern auch durch Zweifel an der Vernünftigkeit und Schriftgemäßheit der Dogmen zur Religionskritik veranlaßt. Nun hat dieser Zweifel offenbar einen ganz anderen Charakter als jenes Motiv. Wenn diese wahrhaft heterogenen Anstrengungen sich dennoch in der nämlichen Leistung begegnen, so handelt es sich dabei nicht um ein äußerliches Zusammentreffen, sondern um eine innere Harmonie, deren Analyse weit über die Grenzen dieser Untersuchung hinausführen würde. Hier darf die Feststellung genügen, daß — wie un~ bestrittenermaßen in der Philosophie Epikurs — auch bei da Costa das „praktische*' Motiv primär ist. So werden ihm die jenen Zweifel begründenden Einsichten zu Mitteln. Diese Einsichten verdankt er der Physiologie des Michael Servet1). Servet hatte es unternommen, die Lehren der Schrift von seinen physiologischen Einsichten her — er ist der Entdecker des kleinen Blutkreislaufs — zu erhellen. Dieser Lehrbestand ist Teil eines theologischen Systems, dessen ursprüngliche Motive nicht sehr durchsichtig sind. Soviel scheint allerdings wahrscheinlich zu sein, daß die Leugnung der Unsterblichkeit der Seele — sofern von einer Leugnung bei Servet überhaupt die Rede sein darf2) — nur Konsequenz, imd nicht sehr betonte Konsequenz, ist, nicht aber dem Interesse Servets unmittelbar entquillt: Es kommt Servet nicht darauf an, sich von der Furcht vor ewiger Verdammnis durch Leugnung der Hölle zu befreien. 1] Auf die Beziehung zwischen da Costa und Servet hat mich Professor Julius Guttmann aufmerksam gemacht. 2) Tollin: Das Lehrsystem Michael Servet's genetisch dargestellt, Gütersloh 1878, vor allem III, 283 ff.

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