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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 18

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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IRI
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18 Zur Bibelwissenschaft Spinozas und seiner Vorläufer Alsbald nach dem Eintritt in die Sephardische Gemeinde zu Amsterdam bemerkt er, daß die Gemeinde sich nicht nach dem Wortlaut des Mosaischen Gesetzes richtet. Er gerät in Konflikt mit der Gemeinde. Dies konnte nicht anders geschehen; War doch der konkrete Zusammenhang des Judentums, aus dem sowohl seine wie seiner Vorfahren Kritik am Christentum hervorgegangen war, und den diese Kritik nun aber keineswegs wiedergab, aus dem Gesichtskreis der Marranen geschwunden. In dieser Kritik — die in seinem Fall ihre tiefste, persönliche Wurzel in dem Epikureischen Motiv hat — wurzelt seine Rückkehr zum Judentum, in ihr ist sein „Judentum" beschlossen. Daher zeigt sich ihm bei der ersten Berührimg mit dem konkreten Judentum die Notwendigkeit, die bisher nur am Christentum geübte Kritik auf das Judentum auszudehnen. Und zwar argumentiert er erstens vom Gesetze Moses aus gegen das Gesetz der jüdischen Tradition („Thesen gegen die Tradition" 1—32), und zweitens sowohl von der Vernunft als auch von der Schrift aus gegen das auch vom Judentum vertretene Unsterblichkeitsdogma („über die Sterblichkeit der Seele des Menschen" 33—101). Der Konflikt mit der Gemeinde macht der Kritik die Bahn völlig frei; Es wird nunmehr der positiven Religion das natürliche Gesetz, das Noachidische Gesetz, antithetisch entgegengestellt, es werden der Wert der Zeremonien, die Auserwähltheit des jüdischen Volkes, die Göttlichkeit des Mosaischen Gesetzes, die Wunder, das Recht der geistlichen Gerichtsbarkeit geleugnet. Die Kritik des Marranen mündet in die gemeineuropäische religions-kritische Bewegung des Jahrhunderts, die wie seine eigene Religionskritik getragen wrar von dem Entsetzen über die Folgen der ira theologorum. Wie er denn von sich selbei sagen darf: Circa religionem passus sum in vita incredibilia. Dies Motiv ist identisch mit dem Epikureischen. Nicht sein inneres Wesen, nur die Intensität seiner Wirkung ist aus den religiösen Wirren und Kämpfen des Jahrhunderts zu verstehen. Hierbei darf nicht übersehen werden, daß die Epikureer dieses Zeitalters bereits dadurch, daß sie kämpfen, offenbar nicht mehr im Sinn Epikurs leben. Epikur war kein Kämpfer; er sah sich durch nichts dazu veranlaßt, sein Leben und sein Glück zu wagen; seiner letzten Intention getreu, fügte er sich dem herrschenden Kult, erkannte er ihn an. Wenn ihm Lukrez nachrühmt, er habe als erster gewagt, der Religion entgegenzutreten (obsistere contra), so beschreibt er damit mehr seine eigene als seines Meisters Haltung. Die aktivere und männlichere Haltung, die den mit Epikur in der primären Intention übereinstimmenden Männern der Aufklärung zum Unterschied von Epikur selbst eignet und die diesen mit Lukrez gemeinsam ist, zeigt sich auch darin, daß die Religion von ihnen — ebenso wie von Lukrez — nicht nur als Quelle der größten Schrecken und Aengste, sondern auch als Urheberin der schwersten Verbrechen bekämpft wird (Gebhardt 120 f.). Die Religion ist nicht nur schädlich^ sondern auch böse. So fühlt sich da Costa nicht nur als Kämpfer schlechthin, sondern als Kämpfer für Wahrheit und Freiheit

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