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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 16

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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IRI
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16 Zur Bibelwissenschaft Spinozas und seiner Vorläufer gibt auf diese Frage keine Antwort. Er erwähnt seine marranische Abkunft, und er schildert seinen Weg vom Christentum zum Judentum, ohne einen Zusammenhang zwischen den beiden Tatsachen anzudeuten. Ein solcher Zusammenhang besteht aber ohne allen Zweifel. Das Leben der Marranen innerhalb der christlichen Kirche und der christlichen Gesellschaft entbehrt der Selbstverständlichkeit; so sind sie zur Kritik am Christentum disponiert. Führt nun gar die Kritik eines Marranen am Christentum ihn zum Judentum, so liegt es nahe, in der kritischen Haltung des Juden gegenüber dem Christentum die charakteristische Bedingung für seine Kritik zu sehen. Die Marranen von der Art da Costas — unzuverlässige und in sich selbst unsichere Christen — werden durch die Tradition ihrer Familien auf das Judentum verwiesen, von dessen Inhalten sie sehr wenig oder gar nichts wissen. Ihre Kritik ist nicht jüdische, sondern höchstens in der kritischen Haltung des Juden gegenüber dem Christentum begründete, des spezifisch jüdischen Inhalts entleerte oder fast entleerte Kritik. So hat sich da Costa selbst freilich nicht gesehen. Er verweist auf Zweifel an der Wahrheit des Christentums und auf triftige Gründe für die Wahrheit des Judentums. Diese Gründe erinnern an die um mehr als ein Jahrhundert ältere Auseinandersetzung zwischen spanischem Judentum und Christentum: das Alte Testament ist rationaler als das Neue Testament; ferner ist das Alte Testament glaubwürdiger als das Neue, da das Alte Testament bei den Juden und Christen in unbestrittener Geltung ist, das Neue Testament hingegen nur bei den Christen. (106 — cf. Cusari I. 10; Albo Iqq. III und 24.) Hierher gehört auch die Anknüpfung an die Idee der Noachidischen Gebote. Diese besonderen Argumente hätten da Costa dem Christentum nicht abwendig gemacht, vielmehr.* er wäre zu diesen Argumenten gar nicht gekommen ohne die vorhergehende, radikalere Kritik an den katholischen Kirchenwerken. Dieser Kritik liegt die marranische Bereitschaft zur Kritik am Christentum als allgemeine Bedingung vorauf. Aber treibt diese Bedingung aller marranischen Kritik die Kritik da Costas hervor? Ist sie deren zureichender Grund, deren inneres Motiv? Wenn wir diese Frage verneinen, so befinden wir uns im Einklang mit da Costa selbst, der in seiner Selbstbiographie seines Marranentums wohl als eines Umstands seines Lebens, aber nicht als eines Movens seiner geistigen Entscheidung Erwähnung tut. Um das Motiv seiner Kritik zu ermitteln, folgen wir seinem eigenen Bericht. Als Sohn eines guten Katholiken geboren, wächst da Costa im katholischen Zusammenhang auf. Aus Furcht vor der ewigen Verdammnis strebt er nach pünktlicher Befolgung aller kirchlichen Vorschriften. Herangewachsen, erfährt er die Unmöglichkeit, mittels der Beichte Sündenvergebung zu erlangen, und, darüber hinaus, die Unmöglichkeit vollständiger Erfüllung der kirchlichen Anforderungen überhaupt. So verzweifelt er an seinem Heil; in aller Furchtbarkeit steht ihm die ewige Verdammnis vor Augen. Da Costas Sein und Wesen verrät sich in der Art und Weise, wie er auf diese Situation reagiert:

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