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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 13

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707524--266-2707835
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Zur Bibelwissenschaft Spinozas und seiner Vorläufer 13 auf die vulgäre Selbstzufriedenheit, auf die fleischliche Eigenliebe, so führt Spinoza denGlauben an die Insuffizienz des Menschen auf die vulgäreUnfähigkeit zum Planen, auf die fleischlicheMaßlosigkeit im Begehren zurück; wie Calvin voll Hohns auf die pudenda varietas der Philosophien, so verweist Spinoza auf die große Mannigfaltigkeit und Unbeständigkeit des „Aberglaubens". Man kann diese Kritik nicht als bloße Beschimpfung des Gegners abtun; zum mindesten ist sie als Zeichen dafür, wie wenig der Kritiker daran interessiert ist, die gegnerische Position zu verstehen, sehr ernst zu nehmen. Gibt es echte Kritik auf dieser Stufe der Auseinandersetzimg, auf der man, die Selbstauffassung des Gegners als Beschönigung fleischlicher Gesinnung mißachtend, diejenigen fundamentalen, menschlichen Tatsachen auf dem Grunde der bekämpften Haltung wittert, welche durch die eigene Auffassung von Menschen gefordert werden? Gibt es echte Kritik, solange der Glaube an das Recht der eigenen Sache durch keine Einsicht in deren Bedingtheit eingeschränkt ist, solange der Kritiker sich auf ein Absolutes — auf die Offenbarung oder auf die allen Menschen gemeinsame Vernunft — berufen kann? Und ist andererseits unter den Voraussetzungen des historischen Bewußtseins radikale Kritik, gleich der Kritik Calvins oder Spinozas, die der gegnerischen Position jedes Recht abstreitet, möglich? — In unserem Zusammenhang genügt der Nachweis, daß jedenfalls Spinozas Kritik an der Offenbarungsreligion äußerliche Bestreitung, nicht echte Kritik ist, Spinoza bringt das Interesse an Offenbarung mit der Furcht, der Furcht vor Gefahren, in Verbindimg. Nun wird überall in der cffenbarungs-religiösen Literatur zwischen Gottesfurcht und profaner Furcht unterschieden. Unbekümmert um diese Unterscheidung, die einem Protest gleichkommt, deduziert Spinoza die Offenbarungsreligion aus der profanen Furcht. Allzu nahe liegt die Frage, ob er die Gottesfurcht, ob er die mit ihr gegebene Erschütterung des Gewissens überhaupt gekannt habe; allzu deutlich zeigt seine Auffassung des Gesetzes, daß er Menschen, die nicht aus Furcht vor Strafe fürchten, die nicht aus knechtischer Gesinnung gehorchen, nicht versteht. Nichts ist weniger berechtigt, als daß Spinoza sich in diesem Zusammenhang auf Paulus* Kritik an der Gesetzlichkeit beruft: in Paulus lehnt sich das tiefste Sündenbewußtsein gegen die Gesetzlichkeit auf, während Spinozas Verwerfung des Gesetzes auf der Verwerfung des Gehorsams als solchen, zuletzt auf dem Fehlen jedes Sündenbewußtseins beruht. Spinoza ist eben ein homo über, ein homo fortis, dem radikale Erschütterungen des Gewissens, letzte Verzweiflungen unbekannt sind. Er hat die charakteristischen Erfahrungen, die mit dem Interesse an Offenbarung in Verbindung stehen, entweder nicht gekannt oder in sich abgetötet; jedenfalls hat er sie nicht kritisiert. Die Unzulänglichkeit der Kritik ergibt sich aus dem Charakter der Kritik. Spinoza will mit theoretischen Mitteln die Religion kritisieren. Da und insofern die Religion, wie er selbst sie gesehen hat, in Gehorsam und Glauben, in Mißtrauen und Verdacht gegen menschliches

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