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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 11

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707524--264-2707833
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Zur Bibelwissenschaft Spinozas und seiner Vorläufer 11 heiten der Position Maimunis hervor; als oberste Möglichkeitsbedingung für die Vereinbarung von Theorie und Schrift zeigt sich der Glaube an die Angewiesenheit der menschlichen Vernunft auf übermenschliche Leitung in Hinsicht auf die vollkommene Theorie; die Kritik an dem Insuffizienzglauben muß daher die zentrale Aufgabe der Kritik Spinozas an der Offenbarungsreligion sein, Die Kritik an der Position Calvins. Nicht Maimuni, nicht der gerade noch, kaum noch wirksame, nur gelegentlich hervortretende Zweifel an der Suffizienz des Menschen ist Gegenstand der Kritik Spinonas, sondern die kräftige Leugnung der Suffizienz des Menschen, die Behauptung der radikalen Verderbtheit der menschlichen Natur, Nicht gegen Maimuni richtet sich Spinozas eigentlicher Angriff, sondern gegen den Protestantismus, genauer: gegen den kontraremonstrantischen Calvinismus. Wir konfrontieren die letzten Voraussetzungen Spinozas mit den letzten Voraussetzungen Calvins, um auf diese Weise das, worum es in Spinozas Kritik an der Offenbarungsreligion eigentlich geht, klar, wo möglich klarer, als es Spinoza selbst gelungen ist, zu erfassen. Calvin beginnt seine Theologie mit einer Auseinandersetzung darüber, was Gotterkennen sei; besteht doch auch für ihn das letzte Ziel der vita beata in der Gotteserkenntnis. Dabei wird der Inhalt der Gotteserkenntnis, fürs erste: Gott der Schöpfer, Erhalter und Lenker der Welt, der allmächtige Herr, gerechte Richter und barmherzige Vater der Menschen, die biblische Gottesvorstellung also, gar nicht zur Diskussion gestellt, sondern als wahr vorausgesetzt. Die Kenntnis des so verstandenen Gottes ist dem Menschenherzen eingepflanzt, und außerdem leuchtet sie dem Menschen aus dem Weltgebäude und dessen beständiger Leitung entgegen. Wenn nun die Menschen diese Gottesvorstellung kritisieren, so ist dies ein Zeichen dafür, daß die natürliche Gotteserkenntnis leicht verdunkelt werden kann, daß die menschliche Erkenntnis nicht zureicht, um den wahren Gott zu erkennen. Der Mensch bedarf demnach einer besseren Stütze als des natürlichen Lichts; des Wortes Gottes, als des Zeugnisses Gottes über sich selbst, das in der Heiligen Schrift. Alten und Neuen Testaments dargeboten wird. Von der Autorität der Heiligen Schrift überzeugt den Manschen das innere Zeugnis des Heiligen Geistes. Der nämliche Geist, der durch den Mund der Propheten gesprochen hat, besiegelt, in uns wirkend, die Wahrheit der Schrift. Die lebendige Einheit von Schrift und Geist überzeugt uns von der Wahrheit jener, von Spinoza bekämpften, Gottesvorstellung. Ohne die Möglichkeit einer Verständigung, oder, was dasselbe heißt, ohne die Möglichkeit einer echten Kritik scheinen sich die Positionen Calvins und Spinozas gegenüberzustehen. Spinoza beruft sich für seine Theologie auf das natürliche Licht mit derselben Unnachgiebigkeit, mit der sich Calvin für seine Theologie auf die durch das innere Zeugnis des Heiligen Geistes verbürgte und erschlossene Schrift beruft. Diese Positionen sind nicht Verteidigungsstellungen, die kraft eines fundamentalen Zirkels unangreifbar, aber

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