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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 8

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707524--261-2707830
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8 Zur Bibelwissenschaft Spinozas und seiner Vorläufer Erfassen der theoretischen Dignität der Prophetie darum nicht abträglich, weil dabei nicht die Einbildungskraft den Verstand beeinflußt, und also hemmt und stört, sondern umgekehrt vom Verstand her die Einbildungskraft beherrscht, bezwungen, in seinen Dienst gestellt wird. Diese Pointe der Prophetologie Maimunis wird, wie gesagt, von Spinoza nicht erkannt, Uebrigens müßte er auf Grund seiner Auffassung der Einbildungskraft die von Maimuni supponierte Möglichkeit leugnen. Daß in diesem Gegensatz zwischen Maimuni und Spinoza der Gegensatz ihrer Auffassungen von Wahrheit und Erkenntnis — der Aristotelischen und der Cartesischen — eine entscheidende Rolle spielt, versteht sich von selbst. Darin und dahinter aber zeigt sich ein für die Kritik an der Offenbarung charakteristischeres Moment: nach Maimuni ist die allein mittels des Verstandes operierende Theorie prinzipiell übertreffbar. Und zwar in zwiefacher Hinsicht. Erstens ist die philosophische Erkenntnis als solche von der prophetischen Erkenntnis übertreffbar und tatsächlich übertroffen; und zweitens liegt eine wesentlich unübertreffbare, wesentlich vollkommene philosophische Erkenntnis in der Lehre des Aristoteles geschichtlich vor. So bewegt sich alle theoretische Forschung in einem durch Autoritäten beherrschten und begrenzten Horizont. Maimunis Versuch, Theorie und Schrift in eins zu setzen, setzt die Ueberzeugung voraus, daß die Theorie zu wesentlicher Abgeschlossenheit und Vollkommenheit in der Forschung des Aristoteles gelangt sei. Denn wenn die Schrift erst durch ihre Auslegung auf die sachliche Wahrheit hin erschlossen werden soll, so muß die Wahrheit, und zwar vollkommen, verfügbar sein. Nur mit einer vollkommenen und abgeschlossenen Theorie ist die Offenbarung in eins zu setzen; es ist unmöglich, diesen Versuch gegenüber der mit einem unendlichen Fortschritt, also mit wesentlicher Unabgeschlossenheit und Unvollkommenheit in jedem konkreten Stadium rechnenden „neuen Wissenschaft*' zu unternehmen. Der Typus voa Theorie, den Maimuni vor Augen hat, versagt sich der Gleichsetzung mit der Offenbarung weniger als der Spinoza gegenwärtige Typus. Der Sturz der Autorität des Aristoteles durch die neue Physik diskretitierte Maimunis Schriftauslegung ihrem Inhalt nach; die Befreiung der Wissenschaft von jeder autoritären Bindung, die Heraufkunft der positiven, mit einem unbegrenzten Horizont künftiger Aufgaben und Entdeckungen rechnenden Wissenschaft machte das Auslegungs p r i n z i p Maimunis unmöglich. An diesem Punkt verlangt die Frage, die an Spinozas Maimuni-Kritik, die demgemäß an Maimuni selbst zu stellen ist, eine Verschärfung, Wir wäre» von der fundamentalen Uebereinstimmung ausgegangen, die zwischen den beiden Philosophen in der Auffassung und Bewertung der Theorie besteht; von hier aus zeigte sich Spinozas Kritik als innere Kritik an der Position Maimunis: sie urgiert den Gegensatz zwischen Theorie und Schrift; die Vereinbarkeit von Theorie und Schrift wird von ihr bestritten. Radikaler als die Frage nack der Vereinbarkeit von Theorie und Schrift ist aber die Frage nach dem Nebeneinander von Theorie und Schrift, ist die Frage.- was, unter Voraussetzung

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