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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · 7 (1926) · p. Seite 6

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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6 Zur Bibelwissenschaft Spinozas und seiner Vorläufer mentalen Wahrheiten als solche von der Menge anerkannt werden; und zwar, ohne daß er es auf die sozialorganisatorische Funktion dieser Wahrheiten abgesehen hätte. Die Anerkennung einer Wahrheit soll alle Menschen — die Weisen und die Unweisen — vereinigen. Das Interesse an der Anerkennung der Wahrheit durch alle Menschen, das mit dem Interesse an der Wahrheit selbst nicht gegeben ist —, diese heterogenen Interessen werden erst dadurch vereinigt, daß die Theorie mit der Offenbarung, und daher die Anerkennung der Unwahrheit mit dem Götzendienst gleichgesetzt wird —, bewegt Spinoza nicht. Die Menge ist für ihn Gegenstand des theoretischen Interesses; er erfreut sich an der Betrachtung der von ihren Leidenschaften geknechteten Menge. Diese Haltung gegenüber der Menge ist die letzte Voraussetzung der Staatslehre Spinozas; sein Interesse an der sozialen Organisation der Menge zeigt sich in letzter Analyse als Konsequenz seines Interesses an der Theorie, Die Radikalisierung des theoretischen Interesses erweist sich so als wesentliches Moment des Gegensatzes zwischen Spinoza und Maimuni, als wesentliche Voraussetzung der Religionskritik Spinozas. Diese Voraussetzung ist der Position Maimunis immanent. Daran ändert der offenbare Zusammenhang nichts, in dem bei Spinoza die schrankenlose Herrschaft der Theorie mit der Leugnung wie der göttlichen so der menschlichen Freiheit, mit der Ueberzeugung, daß alle menschlichen Affekte und Handlungen ein Produkt der einen, immer und überall identischen Natur seien, steht; denn der Supremat der Theorie wird von Maimuni, unter der Voraussetzung ganz anderer gegenständlicher Ueberzeugungen, anerkannt. Die Kritik Spinozas bestätigt in diesem Punkt nur, was innerhalb der Offenbarungsreligion selbst gegen den Versuch, unter Voraussetzung der Offenbarungsreligion die Theorie als das höchste menschliche Interesse auszuzeichnen, eingewandt worden ist; so ist sie wahrhaft immanente Kritik. Das radikal begriffene Interesse an der Theorie verlangt, daß alles, was ist, zum Gegenstand der Theorie werde, daß man allem, was ist, in theoretischer Haltung gegenüberstehe; so muß Spinoza an der Sonderstellung, die bei Maimuni die Schrift einnimmt, Anstoß nehmen. Auch die Schrift wird Gegenstand des theoretischen Interesses, jedes andere Interesse an der Schrift wird prinzipiell entwertet. Dies hat entscheidende Folgen für die Schriftauslegung; die Schrift darf nicht als wahr vorausgesetzt werden; erst auf Grund unbefangener Prüfung der Schrift darf man über die Wahrheit der Schrift urteilen. Nun kann Maimuni zwar nicht aus der Schrift, d. h. aus dem Wortsinn der Schrift, die Wahrheit der Schrift erweisen; denn Voraussetzung für sein Schriftverständnis ist seine Ueberzeugung von der Wahrheit der Schrift; aber diese Ueberzeugung wird verbürgt durch die Ueberlieferung über die Offenbartheit der Schrift. Wir sehen hier ab von der philologisch-historischen Kritik, mit der sich Spinoza gegen diese Ueberzeugung wendet. Von grundsätzlicher Bedeutung ist der Umstand, daß Spinoza in der Art und Weise, in der Maimuni, auf Grund seiner Ueberzeugung

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