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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · 6 (1925) · p. Seite 25

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707526--216-2707784
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Probleme der jüdifcb*fpanifcben Gefcbicbte 25 tat. Daß es auch andere Kreife als die Inquiötoren gab, die, und zwar aus anderen als religiöfen Motiven, die Vertreibung der Juden wünfcbten, ift felbftverftändlid), aber es läßt ücb nicht nachweifen, daß fie einen Einfluß auf die Politik gehabt hätten. Noch 1491 hatte die Regierung die Verträge mit den jüdifchen Steuerpächtern auf vier Jahre erneuert. In den letzten Wochen noch zögerte das Königspaar, bis es £ich am 31. III. 1492 zur Unterzeichnung des Edikts entfchloß. Innerhalb von vier Monaten, in größter Ordnung und eifiger Ruhe, vollzog ficb die Husreife der Juden. Es gab keine Greueifzenen, wie fie der Widerftreit zwifcben Habfucbt und Fanatismus fünf Jahre fpäter in Portugal erzeugte. Es verfteht fich, daß fich der Staat, Beamte und Privat» teute bei der Hbrechnung mit den Juden nach Kräften bereicherten, Aber eine einmalige Ausplünderung von etwa 30-40 000 Familien, darunter immerhin einer Hnzahl von Kaufleuten, deren Kapital in überfeeifcben Gebieten arbeitete -, das konnte nicht der Zweck der Vertreibung fein. Man mag fie als ein Werk der nationalen Politik bezeichnen, in dem Sinne, daß fie zu* fammen mit der Inquifition der fpanifchen Nation den Weg eröffnete, auf dem fie ihr ernfter religiöfer Genius die näcbften Jahrhunderte führen foüte. Der jüdifcbe Kiftoriker wendet mit Schmerz den Blick von diefen Er« eigniffen ab, um fich zwei Fragen vorzulegen: Wie hat das erfchütternde Erlebnis auf die innere Entwicklung des Judentums eingewirkt? Welche Be« deutung hat die jüdifcb-fpanifcbe Kultur für den weiteren Verlauf der gefamten jüdifchen Gefcbicbte? Die Gefcbicbte der Juden in Spanien hat einen doppelten Ausgang. Die Marranen, die in Spanien und Portugal erft gegen Ende des 18. Jahrhunderts als religiös Soziale Einheit verfchwanden und fich vom Heimat* lande aus über große Teile von Wefteuropa und Amerika verbreiteten, gehören mit zu den religiöfen Gruppen, deren Kämpfe im 16. und 17. Jahrhundert die moderne Welt heraufführen halfen. Für die innere Entwicklung des Juden« tums kommt noch mehr die Gefcbicbte der Sefardim in der Türkei in Betracht, deren Bewegungen über Sabbathai Zewi hinaus ohne die Vorausfe^ungen der fpanifchen Vergangenheit nicht zu verftehen find. Eine unmittelbare Wirkung der Vertreibung war, daß die gefchiedenen Zweige des Judentums einander, ähnlich wie beute, auf allen Plänen der Welt, befonders in Paläftina wiederfanden. Damals begannen die literarifchen Schäle der fpanifchen Juden Eigen« tum des gefamten jüdifchen Volkes zu werden. Ihm muß jetjt auch der fchwere, reiche Befit> der hiftorifchen Erkenntnis des fpanifchen Judentums, der ewigen Werte des mittelalterlichen Judentums zufallen.

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