Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
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24 Probleme der jüdifcb»fpanifcben 6efcbicbte immer noch einen wefentlicben Beftandteil der Handwerk und Handel treibenden Bevölkerung der mittleren und kleinen Städte. (In Portugal erreichte jetjt das Judentum feine kräftigfte Entwicklung.) Rus dem freilich immer kümmer« lieber werdenden Leben der jüdifeben Matten hoben fieb die reichen Kaufleute ab, die nach wie vor, und nun Hand in Hand mit den Converfos, den größten Teil der ftaatlicben Einkünfte in Händen hatten. Den treu gebliebenen Juden mag heute der Fernftehende einen Vorwurf daraus machen, daß üe fich nicht nach den Erfahrungen der Vergangenheit auf ihr eigenes Sein zurückzuziehen verftanden. Fiber gewiß ift, daß £ie, bei aller Korruption, die während der Bürgerkriege des 15. Jahrhunderts in jedem Lager berrfchte, an der Begründung der fpanifchen Weltmacht unter Ferdinand und Ifabella wefentlicb mit« gearbeitet haben. Das Verhalten der ,,katholifchen Könige" gegenüber den Juden unter« fchied fich, foweit wir es heute beurteilen können, im öffentlichen und privaten Leben kaum von den Traditionen der befferen Zeiten. Überall traten fie zum Scbut) der Juden auf, regelten in demfelben Sinne wie früher ihre Gemeinde« verhältniffe, nahmen jüdifche Sekretäre, flrzte und flftronomen in ihren per« fönlichen Dienft. Der freie Ton des geiftigen Verkehrs zwifchen Juden und Chriften, der im vorausgehenden Kapitel gefchildert wurde, fcheint noch je§t zeitweife am Hof geherrfcht zu haben. Die jüdifeben Scha^meifter und Steuer« Pächter ließ man nicht etwa als illegitime Elemente im Verborgenen arbeiten. Der Hof und weltliche wie geiftliche Große pflegten gefellfchaftliche und finan« zielle Beziehungen zu den Juden. Das Judentum als folches konnte zunäcbft ohne Hnftoß im chriftlichen Staate beftehen, und feine wirtfehaftlicben Funktionen waren den führenden Kreifen fichtlich kein Ärgernis. Fiber unerträglich war die Lebenshaltung der getauften Juden, die, reich und arm, im Verborgenen oder offen die jüdifeben Religionsgebräuche beobachteten, den chriftlichen Kult mieden und intime Beziehungen zu ihren jüdifeben Freunden und Verwandten unterhielten. Man wird weder dem Judentum noch dem Chriftentum gerecht, wenn man diefe Widerfprüche, die ja durch die Inquifitionsprozeffe zur Genüge beleuchtet werden, nicht in aller Deutlichkeit vor fingen fieht und für die nun folgenden Maßnahmen andere als in den Gefe^en ausgefprochene Motive fucht. Ferdinand und Ifabella führten auch nur durch, was fchon feit langem von verfchiedenen Seiten gefordert wurde. Sie reorganifierten die Inquifition unter unmittelbarer Leitung der Krone und ftatteten fie mit außerordentlichen Voll« machten aus. Im Jahre 1481 begann die verhängnisvolle Inftitution ihre Tätig« keit. Gleichzeitig wurden die alten Gefe^e über Trennung der Wobnfitje der Juden von denen der Chriften durchgeführt. Um das Werk der Reinigung des Glaubens zu erleichtern, vertrieb man 1483 die Juden aus Sevilla und Umgegend, weil dort am meiften Juden und unzuverläffige Chriften wohnten, erlaubte den Husgewiefenen aber, fich in anderen Städten des Reiches nieder« zulaffen. Das Vertreibungsedikt von 1492 verweift auf diefe Maßnahme und ihre Unwirkfamkeit, um den legten Schritt zu begründen, den man fchließlich