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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · 6 (1925) · p. Seite 23

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707526--214-2707782
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Probleme der jüdifcfo-fpanifchen Gefcbicbte 23 ordentlich groß, troft der vielen, die das Martyrium auf ficb nahmen, und trot* der vielen, die ins Ausland entflohen. Der Zug des gewaltigen Predigers Vicente Ferrer durch Spanien (vor allem in den Jahren 1411-1412) und der ungünftige Eindruck der unter Leitung des in Spanien rentierenden Papftes Benedikt XIII. abgehaltenen Disputation von Tortofa (1413-1414), die nach der Überzeugung der Chriften und vieler Juden mit einer Niederlage des Judentums geendet hatte, vermehrte die Zahl der Abtrünnigen bedeutend. Es wäre ein Irrtum, in diefem Ergebnis durchaus einen Sieg der äußeren Verhältniffe über eine charakterlofe Menge und über leichtfinnige Vertreter der Aufklärung zu fehen, obwohl es an folchen nicht gefehlt hat. Nachweisbar find viele Männer, die den .beften Ruf in jüdifcben Kreifen genoffen, darunter auch Talmudgelehrte, zur bitteren Enttäufcbung ihrer Freunde vom überlieferten Glauben abgefallen. Der Riß ging durch die Familien aller Stände. In kleinen Dörfern nahmen Mann und Frau voneinander Abfcbied, um das Heil ihrer Seele auf einander fremden Wegen zu fuchen.1) Die Kataftrophe von 1391 allein war in den Augen der Zeitgenoffen ein Argument gegen die Wahrheit der jüdifchen Religion. Viele haben ficb auch zum Schein taufen iaffen, in der Erwartung, fpäter wieder zum Judentum zurückkehren zu dürfen, wie das bei früheren Verfolgungen wohl möglich gewefen war; oder es erwachte in ruhigeren Zeiten wieder die Liebe zu dem alten Glauben und zu den alten Familienbanden. Aber der verfchärfte Fanatismus der Zeit erlaubte keine Umkehr und keine Flucht. Damit begannen die Seelenkämpfe der bekehrten Juden (Converfos, Anuffim, fchimpfweife Marranen genannt), die bis tief ins 18. Jahrhundert nachzuckten, und in die wir dank den Akten der Inquifition erfchütternde Blicke zu tun imftande find. Dem fpanifchen Leben war eine Fülle neuer Kräfte zugeführt, die (ich erft jet^t ungehemmt im Dienfte des Staates wie der Kirche und in allen Zweigen der öffentlichen Bildung entfalten konnten. Aber fie verfcbmolzen nidrt ohne weiteres mit dem fpanifchen Volke. Ihre wirkliche oder vermeintliche Befonderbeit wurde auf das blutigfte von einer antifemitifchen Publiziftik angegriffen, die kaum nod> immer das religiöfe Gewand mit Recht trug. Wie früher gegen die Juden, fo brachen jetjt gegen die Converfos weitgreifende Verfolgungen aus. In dem Kampf aller gegen alle, der ficb während des 15. Jahrhunderts auf fpanifchem Boden abfpielte, trat freilich die Judenfrage nicht immer fo ftark hervor, wie es fcheinen könnte, wenn man fie aus den übrigen Zeitfragen heraushebt. Immerbin hatte das Jahr 1391 neue Probleme gefchafFen, ohne die früheren Schwierigkeiten zu beheben. Auf Veranlaffung geiftlicber Ratgeber hatte man während der Jahre 1412-1415 den Verfucb gemacht, die wirtfchaftlich-fozialen Verbindungen zwifchen Juden und Chriften auf gefe^geberifchem Wege gänzlich aufzubeben. Die Gefetje waren undurchführbar, in kurzem kehrten die alten Verhältniffe wieder. Die Juden bildeten 1} Diefe und andere Züge find erhaltenen notariellen Protokollen entnommen.

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