Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · 6 (1925) · p. Seite 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2707513-2707526--212-2707780
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Probtcme der jüdifcb*fpanifcben 6efd>icbte 21 wurde. Das Gefühl, einer unterdrückten Klaffe anzugehören, war imftande, die feindfelige Gefinnung der Juden gegen die herrfchenden Völker zu verwarfen, aber es konnte auch dazu beitragen, das Bewußtfein der allgemeinen menfchlichen Verantwortung zu ftärken. Den Juden hat es nirgends an ethifch hochgefinnten, in Spanien befonders nicht an philofophifch aufgeklärten Führern gefehlt, die eine Überwindung der „Binnenmoral" ihrer Zeit forderten. Daß einzelne Juden einen unverhältnismäßigen Einfluß im Staate erlangten, emp* fanden die Juden felber fehr wohl als Abnormität Sie Tüchten, was gewiß zum großen Teil das Ergebnis roherer Triebe war, zu rechtfertigen, indem fie ihre Macht in den Dienft ihrer bedrängten Gemeinde zu [teilen glaubten. Der Verpflichtung zur Loyalität dem Staate bzw. dem Fürften gegenüber war man fich voll bewußt. Man lernte gern, wie fchon in anderem Zufammenhang erwähnt, auf dem Wege der Verwaltung die Eigenart des Staates fchäfeen. Der König und feine Vertreter galten auch den Juden als Hüter des Rechts und als von Gott eingefe^te Macht - aber freilich als fremde und zur Zücbti* gung gefandte Macht. Mofes b. Nachman konnte dem König Jaime I. von flragonien im Laufe eines Religionsgefpräches, das 1263 in Barcelona geführt wurde, fagen: „Du baft für mich eine größere Bedeutung als der Mefüas . . . Denn der Mefüas ift nur ein König von Fleifch und Blut wie du. Fiber wenn ich meinem Schöpfer unter deiner Herrfdbaft im Exil, in Knecbtfcbaft und unter Verhöhnung der Völker diene, wartet meiner großer Lohn, denn ich bringe Gott mit meinem Körper ein Opfer dar, und damit erlange ich Hnteil an dem Leben der künftigen Welt." V. Die Verwicklung und Löfung der Judenfrage. Der fpanifcbe Boden bat, abgefehen von kleineren Fhisfcbreitungen, fowohl am Hnfang des 12. wie des 13, Jahrhunderts eine große Judenverfolgung von chriftlicber Seite erlebt, über deren Charakter vorläufig keine Klarheit zu gewinnen ift. Es dürften überhaupt nur wenige Jahrzehnte einigermaßen ungetrübter Ruhe gewefen fein, die den fpanifcben Juden befchieden waren. Die feit dem vierten Laterankonzil (1215) bedeutend gefteigerte Aktivität der Kirche trug wefentlich zur Erweiterung der Kluft zwifcben Chriften und Juden bei, auf der anderen Seite wurde fie durch das Erwachen eines felbftändigen Bürgerftandes immer deutlicher abgegrenzt. Allerdings kamen die Kämpfe, die in Frankreich, Deutfchland und England fchon im 12. und 13. Jahrhundert ausgefochten wurden, in Spanien um hundert Jahre fpäter, aber dafür um fo fdbärfer zum Ausbruch. Im 14. Jahrhundert erreichten fie überall in Europa den höchften Grad der Heftigkeit. Das war mehr noch eine Folge der religiöfen Erregung als der fozialen und wirtfchaftlidben Unruhen der Zeit. Wer das Verhältnis umkehrt, trägt moderne Hnfchauungen in das Mittelalter hinein. Von diefen Bewegungen wurde Spanien zuerft in den Frankreich benachbarten Gebieten während der zwanziger Jahre und zur Zeit des Schwarzen Todes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.