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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · 6 (1925) · p. Seite 20

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707526--211-2707779
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20 Probleme der jüdifcb-fpanifcben Gefd>id>te fei es aus Zwang und Not oder aus Überzeugung. Oft bereuten diefe Abtrünnigen ihren Entfdbluß und fachten, von Juden unterftü^t, zum alten Glauben zurückzukehren. So entftand in verfcbiedenen Gegenden von Süd« Europa - auch dem Norden ift die Erfcbeinung nicht ganz fremd - fcbon im 13. und 14. Jahrhundert eine Klaffe von neubekehrten, unzuverläffigen Chriften, die eine fchwere religiöfe und foziale Gefahr für das cbriftliche Mittel* alter bedeuteten, und die Inquifition mußte eingreifen. Häufig aber waren die abgefallenen Juden die erbittertften Gegner des Glaubens ihrer Väter. Sie haben zufammen mit fanatifchen Prieftern, unbewußt und bewußt, das Ihrige getan, um die Maffe der Bevölkerung zum Kampf gegen die Juden auf zu* ftacbeln. — Troö aller Verbindungslinien, die zwifchen chriftlicbem und jüdifcbem Geiftesleben berrfcbten, waren die beiden Bevölkerungsgruppen doch auf allen Gebieten durch eine gänzlich entgegengefe^te Richtung ihrer Ziele voneinander getrennt. Das Gemeinfame hatte nicht genügend bindende Kraft, foweit es überhaupt bewußt wurde; vielfad) wirkte es gerade entzweiend, weil es die verfchiedene Eigenart der Bevölkerungsgruppen noch ftärker hervortreten ließ. Dazu kam die politifcbe und wirtfchaftlicbe Sonderftellung der Juden, die zwar den Intereffen der königlichen Macht diente, aber der Bevölkerung ein Dorn im Huge fein mußte, der in taufend Dingen fich äußernde Unterfchied des Denkens und Fühlens, alles genährt und umkleidet vom religiöfen Fanatismus, der fich in Spanien wohl nur deshalb heftiger als in anderen mittelalterlichen Ländern äußerte, weil er durch den ftarken Einfdblag einer andersgläubigen Bevölkerung heftiger gereizt wurde.1) Um diefe Gegenfä^e zu überbrücken, dazu gehörte ein Maß von innerer Freiheit und Fähigkeit, fein Scbickfal zu meiftern, das man von den mittelalterlichen Völkern noch weniger als von den modernen erwarten darf. Diefer Anforderung hätten aber auch die Juden nicht gerecht werden können, ohne die Grundlagen ihres Sonderdafeins aufzuheben, d. h. ihre Religion preiszugeben. Es gab auf politifchem und wirt» fchaftlichem Gebiet Wunden, die von den Juden wohl erkannt wurden und deren Heilung man verfucbte. Es gehört zu den wichtigiten Hufgaben des Hiftorikers, nach diefer Richtung die Stellung der Juden zu den fozialen Pro« blemen der Zeit an Hand der Äußerungen zu unterfuchen, die fich gelegentlich zerftreut in der poetifchen, philofophifchen, talmudifchen und moralifch«tbeologifchen Literatur finden. Die Schwächung des moralifcben Bewußtfeins gegenüber den Ungläubigen war eine Sünde, die das gefamte Mittelalter von dem religiöfen Fanatismus des ausgehenden Altertums geerbt hatte und die durch die nationale Beengtheit der mittelalterlichen Denkweife noch genährt 1) Das Vorbandenfein einer ftarken maurifchen Bevölkerungsgruppe bot ähnliche, aber bei weitem nicht fo empfindliche Schwierigkeiten, weil die Sarazenen ein viel fch wacherer Faktor der geiftigen Kultur waren. Sie wurden auch teil weife von der Verfolgung des Jahres 1391 mit betroffen, aber die Rückficht auf die Lage der Chriften in den mohammedanifchen Staaten legte dem Fanatismus Zügel an.

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