Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
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Probtcme der jüdifcb*fpanifcben Gefcbicbte 11 der neu erworbenen Gebiete und der Verwaltung ihrer Einkünfte mitgewirkt. In firagonien erreichten während der achtziger Jahre des 13. Jahrhunderts die Familien Ravaya und Portella wohl den Höhepunkt möglichen Einfluffes. Sie ziehen Steuern für umfaffende Teile des Reiches ein, verpachten fie, fetjen lokale Beamte ein und ab. Sie fpielen eine bedeutende Rolle in der Organißerung des Kampfes gegen den aufftändifchen Hdel im Jahre 1280. Sie liefern den Truppen Proviant, Kleidung und Munition, verhandeln mit Vafallen des Königs über Sendung von Hilfskräften, über Belebung wichtiger Kafteiie; ein Jude hebt maurifche Truppen im Gebiet von Valenzia aus. Jucef Ravaya hat im Jahre 1282 König Pedro III. als Scba^meifter nach Sizilien begleitet. Erhaltene kaftilifebe Verträge etwa aus derfelben Zeit liefern einem jüdifeben Pächter nicht nur die wicbtfgften Steuern, Zölle und Salinen aus, fondern geben ihm auch das Recht, Goldmünzen zu prägen, und den generellen Huftrag, entäußertes Königsgut zurückzufordern und darüber zu verfügen. Juden ftehen noch im 14. Jahrhundert zwar nicht verfaffungsreebtlicb, aber faktifch an erfter Stelle im Rat der Könige von Kaftilien und Portugal; üe haben zuweilen fefte Plätze in Händen, verfügen über ein großes Gefolge, rivaliüeren mit mächtigen fldelsparteien, ftürzen und werden geftürzt. Es ift nicht viel anders wie zur Zeit des Samuel hannaggid (in Granada am Hnfang des 11. Jahrhunderts), deffen Gedichte fo eigenartig die Kämpfe und Stimmungen des gläubigen jüdifeben Gelehrten und Staatsmannes beleuchten. Aber von den jüdifeben Politikern der fpäteren Zeit befi^en wir weder Dichtungen noch Memoiren oder Rechnungsbücher (diefe abgefehen von geringfügigen Reften), nur hier und da eine Schrift über pbilofopbifcbe oder theologifche Fragen, mit denen fich die „fehr gelehrten Juden" — fo nennt ein ebriftlicher Satiriker des 14. Jahrhunderts die Steuerpäcbter -? die lebensvolleren Vorbilder des weifen Nathan, gern befaßten. Man darf fich durch diefes bunte und glänzende Bild nicht darüber täufdben laffen, daß die große Maffe der jüdifeben Bevölkerung weder reich noch wohlhabend war. Sie feufzte unter febwerem Steuerdruck; daß dies kein bloßes Lamentieren war, läßt fich teilweife ftatiftifcb belegen. Vor allem aber haben feit dem 14. Jahrhundert die Verfolgungen und der zunehmende Haß die Juden trot> ihrer Regfamkeit in eine wirtfchaftlich4oziale Stellung zweiten Ranges gedrängt. Das Handwerk, deffen Vertreter die Juden zum großen Teil waren, erfreute fich in Spanien am Ende des Mittelalters keiner großen Schätzung, und der mit dem Hbzeicben gebrandmarkte Jude, der während der Wochentage mit feinem Packen ängfttieb die Landftraße zog und angefichts ftändig drohender Überfälle und Beleidigungen erleichtert fein mußte, wenn er fich abends in der Herberge oder am Sabbath bei den Seinen an einem frommen Buch erbauen konnte - diefer war auch für Spanien keine fremde Erfcbeinung.