Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
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Probleme der jüdifcb*fpanifcben 6efcbicbte 9 bung ihre Technik und ihre Statuten in die Türkei mitgenommen haben. Spanifche Archive haben uns einige jüdifdbe Zunftftatuten gefchenkt, die, ganz entfprecbend dem Charakter der chriftlichen Korporationen, weniger wirtfcbaft« licben, als religiös«cbaritativen Inhalt haben. Die jüdifcben Zünfte hatten ihre eigenen Synagogen und Chewroth; üe beanfpruchten eine Sonderftellung in der Gemeinde. Die Maffe der Gemeinden beftand, wie Statistiken und zahlreiche Notizen zeigen, aus Handwerkern, und zwar waren keineswegs nur die leichten Handwerke vertreten. Als die portugiefifcbe Regierung im Jahre 1492 den vertriebenen fpanifchen Juden die Grenzen öffnete, erteilte üe den jüdifcben Schmieden und Waffenhandwerkern befondere Privilegien. In mittleren und Kleinftädten waren die Juden die führenden Vertreter von Handwerk und Warenhandel. In den Seeftädten trat das jüdifebe Element unter anderem im Maklergewerbe hervor, aber auch im überfeeifchen Handel. Der Mittelmeerhandel der Juden war ein Erbe aus der arabifeben Zeit. Rbgefeben von den ausgezeichneten Verbindungen, welche die fpanifdben Juden immer nach dem gegenüberliegenden Nordafrika pflegten, trieben fie lebhaften Handel nach Cypern, Alexandrien und Paläftina, wohin fie ja nicht nur wirtfcbaftlicbe Motive führten. In den Handelsftädten des Nordweftens, befonders Santiago, haben fieb verhältnismäßig fpät anfebnlicbe jüdifdbe Gemeinden entwickelt. Hn dem aufblühenden Handel vonLiffabon nahmen jedoch die Juden im 14. und 15. Jahr* hundert lebhaften Anteil. Die gefcbäftlicben Beziehungen der Hbravanel und anderer jüdifcher Tuchhändler aus Liffabon reichten von Italien bis nach Flandern, fiudb bei der Begründung der erften portugiefifchen Stützpunkte in Hfrika haben fich die Juden wirtfehaftlich und organifatorifch betätigt. Von Liffabon und Sevilla aus wandten fich fpäter die vertriebenen Juden den portugiefifchen und fpanifchen Kolonien zu. Man darf freilich die Bedeutung der Juden für den überfeeifchen Handel und überfeeifche Kolonifation nicht überfdbä^en. Die Siedlungsgefcbicbte der Juden in Spanien zeigt, wie im ganzen mittelalterlichen Europa, foweit nicht äußerer Zwang das Beftebende umwirft, eine unverkennbare konfervative Tendenz. Befonders in ihren überfeeifchen Beziehungen waren die Juden abhängig vom Vorhandenfein jüdifcher Gemeinden; denn in den Quartieren der chriftlichen Kaufleute waren fie ungern gefehene Gäfte, und zur Bildung felbftändiger Kauffabrer=Organifationen hatten die Juden keine Kraft. Überall, wo die wirtfcbaftlicbe Entwicklung von Madbtfragen abhängig war, mußte auch in Spanien der Jude zurücktreten. Die wirtfcbaftlicbe und foziale Eigenart der fpanifchen Juden unterfchied fich nicht fo grundlegend von derjenigen der deutfdben Juden, wie man im allgemeinen annimmt. In Deutfcbiand gelangten diefelben Anlagen nicht zu einer fo kräftigen Entwicklung wie in Spanien, oder fie wurden fchon im Keime erdrückt. Hndererfeits aber führte hier die Sonderftellung der Juden diefelben Hnläffe zu wirtfehaftlichen Reibungen mit fich wie im übrigen Europa. Die Juden waren auch in Spanien die privilegierten Geldleiber. Sie trugen kein Bedenken, von Chriften Zinfen zu nehmen, und ihre Prinzipien wurden