Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
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s Probleme der jüdifcMpanifcben Gefcbicbte einer gefunden Wirtfcbaftspolitik maßgebend fein. Daneben hatte der ebrifttiebe Herrfcber für Beobachtung der kanonifeben Vorfcbriften, namentlich in bezug auf flbfonderung der Ungläubigen von den Chriften im täglichen Verkehr, in Wohnung und Kleidung Sorge zu tragen, und konnte nicht umhin, die Be« kehrungsverfuebe der Geiftlicben zu unterftütjen. Aber erft nachdem die Verfolgung von 1391 die religiös«fozialen Verhältniffe Spaniens vollkommen gewandelt hatten, forderte das religiöfe Moment der Judenpolitik den Vorrang gegenüber den bisher geltenden Prinzipien und führte fo die Entfcheidung des Jahres 1492 herbei. Gleich blieben ücb bis zum legten Augenblick fämtliche Herrfcher der chriftlichen Staaten der Pyrenäenhalbinfel in dem Beftreben, die Juden (wenigftens in friedlichen Zeiten) gegen Gewalttaten der Bevölkerung zu febüt^en. Gleich blieben fie fich auch in der Energie, mit der fie den wertvollen „Sd>at3" der Herrfchaftsrechte an den Juden gegen die flnfprücbe der lokalen Gewalten, befonders der Städte, zu verteidigen wußten, wie in keinem andern mittelalterlichen Staat. Nicht im Zeichen eines ohnmächtigen und zet« fplitterten Staatswefens haben fich die Juden erhalten, fondern von einem ftarken Königtum haben fie bis zulegt Schul) erwartet und empfangen. Das 11. bis 13. Jahrhundert bedeutet für Europa eine großartige Epoche ftädtifeber Koionifation. Daß die Juden daran einen tatkräftigen Anteil nahmen, läßt fich für Spanien noch weniger leugnen als für Deutfchland. Neben den von Chriften bewohnten Städten erhob ücb häufig das Castrum judaeorum, das von den jüdifeben Kauf leuten im Notfall verteidigt wurde. Zuweilen war aber auch die Burg allein von Juden bewohnt, während die chriftlicbe Bevölkerung in der offenen Vorftadt lebte, wie es ähnlich febon in den maurifeben Städten Cordoba, Lucena und Granada der Fall gewefen zu fein febeint. Anderswo fiedelten die Juden, wie häufig in Deutfchland und Frankreich, im Zentrum der Altftadt. In Barcelona, Valencia, Mallorca, Sevilla, vielleicht auch in Toledo dürften am Ende des 14. Jahrhunderts etwa je 1000 jüdifebe Familien gelebt haben. In vielen Mittel- und Kleinftädten haben um diefe Zeit jüdifebe Gemeinden von 200 bis 400 Familien ein Fünftel bis ein Drittel der Gefamt» bevölkerung ausgemacht. In begrenztem Maße beteiligten fich die fpänifeben Juden noch im 12. Jahrhundert an der Urbarmachung des Bodens. Eine gänzliche Loslöfung der Juden von Grundbefi^ und ländlicher Arbeit hat in Spanien nie ftattgefunden. In der Hauptfacbe aber waren die Juden Stadtbewohner. Sie haben als folebe an allen ftädtifeben Berufen teilgenommen, vor allem an denjenigen Gewerben, die für die mittelalterliche Stadt befonders cbarakteriftifcb find. Im 12. Jahrhundert waren die Juden in einigen nord« fpänifeben Städten, offenbar noch von der arabifeben Zeit her, die privilegierten Inhaber des Tuchhandels in den unter königlichem Scbut> ftehenden befeftigten Bazaren. fluch im 13. und 14. Jahrhundert bedeuten die jüdifeben Draperos für die aufftrebenden chriftlichen Kaufleute eine gefährliche Konkurrenz, und innerhalb ihrer Gemeinden find fie die tonangebenden Mitglieder, fln zweiter Stelle flehen vielleicht die jüdifeben Weber und Färber, die nach der Vertrei-