Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
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Probleme der jüdifch-fpanifchen Gefchicbte 7 in ganzen Gemeinden den erobernden ebriftlicben Staaten einverleibt. Durch die großen Eroberungen in der Mitte des 13, Jahrhunderts ift diefer Prozeß abgefchloffen. Der Schwerpunkt der jüdifeben Kultur in Spanien liegt fortan im ebriftlicben Norden. Das 13. und 14. Jahrhundert zeigt das Verhältnis der Juden zu Staat und Gefellfcbaft des Mittelalters in feiner ausgeprägteften Form. Die drei großen Staaten Hragonien, Kaftilien und Portugal bilden den Schauplatz der jüdifeben Gefchicbte, während das kleinere Navarra, einft als Herd der Reconquifta von größerer Bedeutung, an und für üch intereffant genug, in diefem großen Überblick zurücktreten kann. Eine große Verfolgung, die faft ganz Kaftilien und Hragonien in Mitleidenfchaft zieht, Portugal dagegen verfebont, fcbließt im Jahre 1391 diefe Epoche ab. Die großen jüdifeben Gemeinden im Often werden endgültig vernichtet. Die Juden in Portugal gewinnen erhöhte Bedeutung für die gefamte jüdifche Gefchicbte. Neben den treu gebliebenen fteben die getauften Juden, die eine Judenfrage komplizier* tefter Art entftehen laffen. Dem Zeitalter der Renaiffance ift die Löfung diefes Problems zugefallen. Wir dürfen die Verfcbiedenheiten von Zeitaltern und Staaten nicht vergeffen, wenn wir im folgenden die Umriffe der großen Fragen des jüdifdvfpanifdben Kulturproblems in Kürze zu fkizzieren verfueben. IL Das Verhältnis der Juden zum Staat und zum Wirtfchaftsleben. Die Stellung der Juden im ebriftlicben Spanien war bedingt durch ihre große Zahl und die wirtfcbaftlicbe Bedeutung, die fie fchon unter der Herrfebaft des Klam befeffen hatten. Der nach Expanfion und wirtschaftlicher Blüte ftrebende Staat konnte und wollte fie nicht entbehren. Die herrfchenden Ideen erlaubten ihm, die Kräfte der Juden ganz und rückficbtslos in feinen Dienft zu ftellen. Die Juden waren nur geduldete Untertanen des ebriftlicben Staates. Sie galten wie überall in Europa als „Sklaven des Fiskus", ein Grundfa^, der feit Anfang des 12. Jahrhunderts deutlich in den Rechtsqueiien zum Ausdruck kommt, der aber zweifellos älteren Urfprungs ift. Er war für Juden und Chriften der Ausdruck einer, wenn auch verfchieden gerichteten, theologifchen Gefcbicbtsauffaffung, in deren Liebt fieb die Leiden der Juden vollzogen. Die Juden unterftanden unmittelbar dem Landesherrn; fie konnten von ihm nach Willkür bebandelt, vertrieben, ja in die Sklaverei verkauft werden (was auch in Spanien vorgekommen ift). Im allgemeinen wirkte fich diefes Prinzip freilich nur in rückficbtslofem Anziehen der Steuerfcbraube bis zur Grenze des Lebensmöglicben aus. Das fcbrofFe Rechtsverhältnis des Königs zu den Juden wurde gemildert und zuweilen fogar verfchönt durch das die Herrfcher befeelende Bewußtfein von ihrer hoben Aufgabe, auch im Intereffe der Juden als Hüter des Rechts aufzutreten, und durch die Unbefangenheit, mit der üe jüdifche Gelehrte und Dichter zur Löfung der ihnen vorfchwebenden kulturellen Ziele heranzogen. Privatrecbtlicb waren die Juden den Chriften in der Praxis nahezu gleicbgeftellt. Für die Behandlung der Juden mußten die Grundfä^c