Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · 4-5 (1924) · p. Seite 49

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
4-5 (1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 49 (sequence 52)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
82% known words query
IRI
…/2707513-2707528--179-2707746
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Bericht des wiffenfcbaftlicben Vorftandcs 49 Die jetzige Arbeit des Herrn Dr. Baer betrifft, wie bereits im vorigen Bericht er« wähnt wurde, die Gefchichte der Juden in Spanien. Er beabficbtigt eine umfallende Darftellung der Gefchichte der Juden in den chriftlichen Staaten Spaniens zu geben, die befonders die Stellung der Juden zum Staat, fowie die foziaten und wirtfchaftlichen Ver» hältniffe der jüdifchen Gemeinden behandeln foll. Von dem fpanifchen Judentum ift die Entwicklung des jüdifchen Geiftes Jahr» hunderte hindurch entfcheidend beeinflußt worden, und es ift von hoher Bedeutfamkeit, die fozialen Bedingungen kennen zu lernen, unter denen ficb das reiche Geiftes» leben des jüdifchen Spanien entfaltete. Die Einfichten, die aus dem gerade hier be* fonders reichen Quellenmaterial zu gewinnen find, werden überdies dem foziologifchen Verftändnis des mittelalterlichen Judentums überhaupt zugute kommen. Die älteren Darftellungen der Gefchichte der Juden in Spanien haben gerade diefe Seite verhältnismäßig weniger berückfichtigt und hatten außerdem nur ein fehr begrenztes Quellen* material zur Verfügung. Inzwifchen ift durch eine Reihe von Publikationen das Quellen» material außerordentlich bereichert worden. Im Verhältnis zu der ungeheuren Fülle von Akten, die noch unbekannt in den fpanifchen Archiven ruhen, ift freilich auch das jettt publizierte Aktenmaterial noch begrenzt genug. Indeffen reicht es aus, um eine Einficht in die wefentlichen und grundfättliehen Erfcheinungen zu ermöglichen. Für die Klärung beftimmter Probleme wird allerdings die Bemühung der fpanifchen Archive kaum erläßlich fein. Es ift dringend zu wünfehen, daß Geh die Mittel fchafFen laffen, um Herrn Dr. Baer wenigftens eine vorüber* gehende Arbeit in den Archiven Spaniens zu ermöglichen. Fräulein Dr. Stern ift bereits tief in den Vorarbeiten für den zweiten Teil ihres Werkes begriffen, der in feiner Anlage mit dem erften im wefentlichen übereinftimmen dürfte. Herr Dr. Baneth hat feine Überfettung des Kufari und die ficb daran anfcbließen» den philologifchen und philofophifch»geschichtlichen Unterfuchungen über das Werk wefentlich gefördert. Über ein wichtiges Stück feiner philofophie *gefcf>irf> fliehen Behandlung Jehuda Halewis berichtet fein in diefem Heft enthaltener Auffatj. In der Reihe unferer Überlegungen der jüdifchen Philofophen des Mittelalters foll auf Jehuda Halewi Maimonides folgen. Sein More Nebuchim, das Grundwerk der jü» difchen Philofophie des Mittelalters, liegt in einer zureichenden deutfehen Überfettung noch nicht vor. Die vor vielen Dezennien von verfchiedenen Autoren herausgegebenen Einzelüberfettungen feiner drei Bücher find längft überholt und liegen zum Teil noch vor Münks klaffifcher Ausgabe des arabifchen Originals. Eine neue, felbftändig aus dem arabifchen Text gefchöpfte Überfettung ift ein dringendes Bedürfnis der Wiffenfchaft Auch für die textkritifche Behandlung des arabifchen Originals und der hebräifchen Überfettung fowie für die philofophie *ge» fchichtliche Erforfchung des Werkes ift noch viel zu tun. Kaum minder wichtig ift eine Überfettung und Unterfuchung der in dem talmudifchen Werke des Maimonides enthaltenen philofophifchen Partien. Von ihnen find befonders die den Mifchne Thora, den großen Gesetteskodex des Maimonides, ein» leitenden philofophifchen Partien bisher außerordentlich vernachläffigt worden; ob» wohl fie für die Art, in der ficb bei Maimonides philofophifche mit biblifch» talmudifchen Motiven durchdringen, von höchftem Intereffe find. Die Überfettung des Mai» monides hat Dr. Obermann übernommen. Er hat ficb zunächft den philofophifchen Partien des Mifchne Thora, die feinem Intereffe befonders nahe liegen, zugewandt und bereits vor feiner Überfiedlung nach Amerika den erften Teil feiner Überfettung im Manu* fkript vorgelegt. Wir dürfen, wie bereits erwähnt, auf die Fortfettung der Arbeit rechnen, fohald er in feinem neuen Wirkungskreis heimifch geworden ift. Als drittes Glied der Reihe haben wir den Or Adonai des Chasdai Creskas, der an Energie und Originalität der Gedankenführung unter den philofophifchen Leiftungen des jüdifchen Mittelalters mit an erfter Stelle fteht, in Ausficht genommen. Hier wird allerdings der Überfettung eine kritifche Be»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.