Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 51)
- Language
- German
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48 Beriebt des wiffenfebaftlicben Vorftandes Winter erfebienen und als vierte Veröffent» liebung ift ibnen die Scbrift von Baer: „linterfuebungen über Quellen und Com* pofition des Scbebet Jehuda" gefolgt. Inzwifcben bat Fräulein Dr. Stern den 1. Teil ibres Werkes: „Der preußifebe Staat und die Juden", der die Zeit des großen Kurfürften und Friedricbs I. umfaßt, zum Abfcbluß gebraebt. Sowobl die Aktenpublikation wie die Darftellung, die in einem gefonderten Bande erfebeinen wird, liegen druckfertig vor. Ebenfo ift der 2. Teil des Baerfcben Bucbes: „Das Protokoll der Landjudenfcbaft des Herzogtums Cleve", der die Edition des Protokollbucbes bringen foll, febon für den Druck vorbereitet. Wann die beiden reebt umfangreichen Werke erfebeinen können, ift lediglicb eine Frage der äußeren Druckmög» liebkeiten, und wir hoffen, daß es tro£ der außerordentlichen Schwierigkeiten, die fieb jet)t dem Druck entgegenftellen, möglich fein wird, fie bald herauszubringen. Es ift bereits im vorigen Bericht mit* geteilt worden, welchen neuen Ruf gaben fieb unfere Mitarbeiter nach dem Abfcbluß ihrer erften Arbeiten zugewandt haben. Dem damals Gefagten ift noch das Folgende hinzuzufügen: Herr Dr. Albeck ift neben feinen Unter» fuebungen über die Hramaismen in der Mifcbna mit einer Arbeit befebäftigt, die fieb als eine Fortfetjung feiner linterfuebungen über die Redaktion der Mifcbna darftellt. Diefelbe Metbode, nach der er dort die Mifcbna literarkritifcb analyfiert bat, wendet er jetjt auf die tannaitifchen Midrafcbim, d. b. die den tannaitifcbenScbulen ent» ftammenden Erläuterungen der vier legten Bücher des Pentateucbs an. Für die literar» kritifebe Durcbforfchung diefes Teils der talmudifchen Literatur ift bisher febr viel weniger getan worden als etwa für die der Mifcbna, trotzdem die Hufgabe kaum weniger lohnend ift und keine geringere Förderung unferer Einficht in die Ent* Wicklung des talmudifchen Schrifttums verfpriebt. Eine fyftematifcbe und allfeitige Behandlung diefer Probleme, wie fie Herr Dr. Albeck unternommen bat, gebort ohne Zweifel zu den dringlicbften Hufgaben der Talmudforfcbung. Seine Hrbeit ift be» reits weit fortgefebritten und wird, tro^dem er jetjt einen großen Teil feiner Kraft an die Fortführung der Edition des Berefchit Rabba wenden muß, vorausfiebtlich im kommenden Jahre abgefchloffen fein. Die jetzige Arbeit des Herrn Dr. Spanier liegt nicht wie feine erfte auftalmudifcbemGe» biet, fondern bat die Akzente, mit denen die Bibel verfeben ift, zu ihrem Gegenftande. Die Akzente haben neben ihrer aus dem fynagogalen Vortrag der heiligen Schrift bekannten mufikalifeben Bedeutung die nicht minder wichtige Funktion, jeden Sat> in be» ftimmter Weife zu gliedern, indem einzelne Wortgruppen zu einer Einheit zufammen* gefaßt und gegen andere abgefegt werden. Die Annahme liegt nahe, daß diefer äußeren in der Verteilung des Satjtones fieb aus* drückenden Gliederung eine beftimmte Auf» faffung von der inneren Zufammengebörig» keit der Satzteile zugrunde liegt. Die Wiffenfcbaft der letzten Jahrzehnte begnügt fieb zumeift mit einer allgemeinen Feftftellung diefer Tatfache, ohne diefen Zu» fammmhängen im einzelnen nachzugeben. Dagegen hatten chriftlicbe Gelehrte um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts ihnen eindringende Aufmerkfamkeit gewidmet und eine febr fubtil durchgeführte Theorie über die Bedeutung der Akzente gefebaffen, die während des ganzen 18. Jahrhunderts viel erörtert wurde, auch bei jüdifeben Gram» matikern Nachfolge fand und noch von Luzzatto vertreten worden ift. In diefer feit dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts völlig in Vergeffenheit geratenen Theorie glaubte Dr. Spanier, den Schlüffel zum Ver» ftändnis der biblifchen Akzente gefunden zu haben, und fuebt fie mit den Mitteln moderner pbilologifcher Forfcbung auszu» bauen und an den in letzter Zeit neu bekannt» gewordenen Akzentfyftemen zu erproben. Wenn es gelingt, hier zu feften und fieberen Refultaten zu kommen, find von der Arbeit wichtige Auffchlüffe über die zur Zeit der Entftebung der Akzente herrfebende Auf* faffung der biblifchen Sprache, des alt» hebräifeben Satybaues zu erwarten. Auch diefe Arbeit dürfte im Laufe des näcbften Sommers zum Abfcbluß kommen.