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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · 4-5 (1924) · p. Seite 50

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
4-5 (1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 50 (sequence 53)
Language
German
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50 Bericht des wiffenfebaftlicben Vorftandes arbeitung des in troftlofem Zuftande vor* liegenden Textes vorangeben müffen. Wir find eben in dem Verlud) begriffen, uns den Zugang zu großenteils im Ausland liegenden Handfcbriften zu verfebaffen. Wenn diefer Verfucb gelingt und wir an die Aufgabe herangehen können, wird die Arbeit, die vorausfiebtlicb längere Zeit in Hnfprucb nehmen dürfte, von dem Unterzeichneten übernommen werden. Über die Arbeit von Herrn Dr. Speyer ift ein ausführlicher Bericht in diefem Heft enthalten. Der wefentlicbe Teil der Arbeit, die Sammlung und kritifebe Durchführung des außerordentlich weitfehiebtigen Materials, ift dem Abfchluß nahe. Die Beendigung des Werkes dürfen wir trotj der neuen be* ruflichen Inanfprucbnabme des Herrn Dr. Speyer in diefem Winter erwarten. Schon vor zwei Jahren wurde berichtet, daß Herr Dr. Tykocinski, der feit langem damit befebäftigt ift, die Refponfenliteratur zunäcbft der älteren Zeit als Quelle für die jüdifebe Gefcbicbte zu verwerten, uns eine aus diefen Unterfuchungen er waebfene Arbeit zur Verfügung ftellen foll. Die damals in Ausficbt genommene Arbeit bat er mit unferer Zuftimmung indeffen anders verwertet. Er ift jet^t damit befebäftigt, für uns eine diefem Gebiet angebörige kleinere Studie über die Takkanot der gaonäifchen Zeit, d.h. die felbftändigen rechtlichen und religions* gefetjlicben Anordnungen der Geonim ab* zufchließen. Weitere Studien werden vor* ausfichtlich folgen. Auch einen anderen Plan, der uns fchon vor mehreren Jahren befebäftigt bat, haben wir wieder aufgenommen. Unfere talmu* difche Sektion, diefich bisher auf dieliterar* kritifche Behandlung des Talmuds befchränkt hat, foll ihre Arbeit jefjt auch auf die fach* liehe Behandlung des talmudifchen Schrift* tums ausdehnen und mit dem befonders wichtigen Gebiet des jüdifchen Rechtes den Anfang machen. Wir ftehen mit einem tal* mudifch und rechtsgefcbichtlich gut vorge* bildeten jungen Gelehrten in Verhandlungen, über deren Ergebnis wir im nächften Jahre berichten zu können hoffen. Zwei weitere Unternehmungen gehen auf äußere Anregung zurück. Die eine diefer Anregungen ftammt von der Deutfcben Groß« löge des Ordens B'ne B'rith. Kurz vor der 400 jährigen Wiederkehr des Todestages Reuchlins legte uns die Großloge einen Vor* fchlag der Karlsruher Loge vor, den Dank, den das Judentum den großen Humaniften und unerfchrockenen Verteidiger des jü« difchenSchrifttums fchulde, durch einewiffen* fchaftliche Bearbeitung der koftbaren bebrä* ifchen Handfcbriften, die er mit liebevollem Verftändnis gefammelt bat und die fieb jetjt in der Landesbibliotbek in Karlsruhe be* finden, Ausdruck zu geben, und fragte an, ob die Akademie gegebenenfalls bereit wäre, diefe Aufgabe zu übernehmen. Wir erbaten über die Frage ein Gutachten von dem Mit» glied unferer fprachwiffenfchaftlichen Kom* miffion, Herrn Prof. Landauer in Augsburg, der von früheren Arbeiten her mit den Hand* fchriften am beften vertraut ift. Er hielt zwei Arbeiten, welche die Karlsruher Hand* fchriften betreffen, für befonders lohnend. Eine Bearbeitung der Maffora der Karls* ruber Bibelhandfchrift, und eine Unter* fuchung des Targums des berühmten Karls* ruher Prophetenkodex. Die letztere Arbeit hat Prof. Landauer zu unferer Freude felbft übernommen.—Die Mafforaarbeit, die zurzeit befonderenSchwierigkeitenbegegnen würde, muß bis auf weiteres zurückgeftellt werden. Die andere Anregung verdanken wir Herrn Dr. Schlöffinger im Haag. Er hatte vor längerer Zeit die Abficht, eine kritifche Ausgabe des Midrafch Wajikra Rabba zu veranftalten und hat zu diefem Zweck die vorhandenen Handfcbriften pbotogra* phieren laffen. Da er felbft verhindert ift, die Arbeit auszuführen, hat er fich erboten, dem Forfcbungsinftitut die Photographien zur Verfügung zu ftellen, wenn es die Ver* anftaltung einer kritifchen Ausgabe des Midrafch übernimmt. Wir haben uns gern hierzu bereit erklärt, da eine folche Edition ein dringendes Bedürfnis der jüdifchen Wiffenfcbaft ift und fich überdies auf das Befte an die bereits in unfern Arbeitsplan aufgenommene Beendigung der Theodor* fchen Ausgabe des Midrafch Berefchit Rabba anfchließt. Wir hoffen beftimmt, die Arbeit im kommenden Jahre beginnen zu können.

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