Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2707513-2707528--173-2707740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jebuda Hallewi und Gazati 43 lieben bewirkt werden könne, ftreift hart an die Grenze des nackten magifeben Gedankens, ift aber doch davon wobl zu unterfebeiden. Es bandelt ücb zwar niebt um fakramentale Symbole, deren Sinn dem Gläubigen womöglich be« kannt und bei der Ausübung gegenwärtig fein foll; aber aueb nicht um Ge* beimniffe, die den Himmlifeben entriffen find und fie berabzwingen oder fie zur Aufnahme der Seele des Adepten in ibren Höben nötigen follen- Es ift die fcblicbtefte Art der Gottesverebrung, die bier gemeint ift: ein einfaches Erfüllen des göttlichen Willens, ohne nach dem Warum und Wodurch zu fragen. Der vollendete Fromme macht fich zum unmittelbaren Werkzeug Gottes auf Erden, fein Wille und der göttliche werden eins. Hier berühren fich Gazali und Jehuda Hallewi am tiefften, und bier febeiden fie fieb am tiefften. Letjte Hingebung an Gott ift beider Ziel; doch der eine will nur febauend am göttlichen Sein teilhaben, der andere im unergründlichen göttlichen Wirken ein dienendes Glied fein. In der Ausübung der religiöfen Handlungen, die andächtigen Sinnes ge* fcheben muß, erfchöpft fieb aber für Jehxxda Hallewi die Frömmigkeit nicht. Das ganze Leben des Frommen muß von religiöfen Momenten erfüllt, jeder Augenblick von dem Bewußtfein, vor Gott zu fteben, getragen fein. Das Herz« ftück des Kufari ift der Schilderung gewidmet, wie diefe Forderung im Leben des jüdifeben Frommen erfüllt ift. In ihr berühren fich Jebuda Hallewi und Gazali wieder aufs engfte, und doch treten gerade bier wieder charakteriftifche Unterfcbiede hervor. Nur zwei Momente feien bier hervorgehoben. Die Tendenz der Gazalifchen Lehre ift, wie bemerkt, asketifch, weitabgewandt; ein ftrenger, nicht feiten düfterer Zug gebt durch fein Werk hindurch. Das Urmotiv des Islam, die Furcht vor den febrecklieben Strafen des Jenfeits, fpielt bei ihm noch eine große Rolle, zumindeft für die Anfangsftadien des religiöfen Weges. Der Furcht foll zwar die Hoffnung auf Gottes Güte zur Seite treten; aber folange der Menfch fich noch fündig weiß, muß die Furcht überwiegen. Jebuda Hallewi bat, unbeirrt durch die Einflüffe der ganz anders gerichteten Kulturen rings um ihn, die religiöfe Freude als wefentlicbes Element jüdifcher Frömmigkeit erkannt. Gewiffermaßen als die religiöfen Kardinaltugenden des Judentums nennt er Gottesfurcht, Gottesliebe und Gottesfreudigkeit, und nicht geringer als die Zerknirfcbung des Büßers am Fafttage gilt ihm die Fefttagsfreude, wenn fie religiöfer Andacht entfpringt. Die Freude ift ein Ausfluß der Liebe, und aus ihr wiederum fließt das Gefühl der Dankbarkeit gegen Gott. Gazalis Frömmigkeit ift, wie alle asketifch und myftifch gerichtete Reli* giofität, die Frömmigkeit der einzelnen. Huf gäbe eines jeden ift, an der Läute* rung feiner Seele und, wofern er dazu fähig ift, der Aneignung der ewigen Wahrheiten zu arbeiten, einfam für fich oder in Gemeinfcbaft mit wenigen Gleichgefinnten, aber ohne Zufammenbang mit dem Volksganzen. Sittliche Pflicht ift es zwar, felbft wenn dem eignen Seelenbeil davon Gefahr droben